Freitag, 12. Januar 2007

Mutprobe

Rapel
Sie sagt Ihr Name ist Anna Maria und sie kommt aus Italien, lebt aber schon seit früher Kindheit in der Schweiz. Dabei schaut sie mich mit ihren funkelnden braunen Augen an, lächelt und versucht gleichzeitig ihre Lockenmähne zu bändigen, die ihr der Wind immer wieder ins Gesicht bläst.
Ihre Geschichte ähnelt der meinen: im letzten Jahr zu viel gearbeitet, keine Lust auf den Züricher Winter und eine Chefin, die ihr erlaubt hat für 6 Wochen ihren Arbeitsplatz zu verlassen um nach Argentinien zu fliegen und dort die Reise ihres Lebens zu machen.
Wir sind auf dem Weg zum Gipfel eines namenlosen Berges, ein heißer und trockener Wind bläst und die Sonne steht schon hoch und brennt unbarmherzig. Schatten Felhanzeige!
Wir, das ist eine Gruppe von etwa 15 Personen, die sich vorher nicht kannten und bunt gemischt sind. Ein paar Brasilianer, die sofort für gute Stimmung sorgen, zwei Schweizer, ein Österreicher eine Gruppe Argentinier und ich.
The guide
Der Untergrund ist rutschig und ich versuche mich an die Tipps unseres Führers zu erinnern: "Wenn ihr ausrutscht, versucht mit dem Körper runter auf den Boden zu gehen und den Sturz so abzufangen. Versucht euch auf gar keinen Fall mit den Händen abzustützen. Fast alle Pflanzen sind dornenbewehrt und die Stacheln der Kakteen bleiben in der Haut stecken und müssen herausoperiert werden." Als Warnung reicht das aus um uns vorsichtig zu machen und tatsächlich haben alle Büsche Dornen und Kakteen stehen zahlreich entlang des Pfades.
Jetzt verstehe ich auch die Ermahnung beim Buchen der Exkursion, lange Hosen zu tragen und eine Mütze, ausreichend Wasser und Sonnenschutz mitzubringen.
Schnell zieht sich die Gruppe auseinander, die Alpenanrainer vorne weg, die Brasilianer bilden das Schlußlicht, was ihre gute Laune aber nicht zu mindern vermag. Als Höhepunkt der Wanderung werden uns 3 Stellen beim Abstieg versprochen an denen wir uns abseilen müssen. Dass das Wort Höhepunkt etwas mit Höhe zu tun hat, hätte mich stuzig machen sollen. Die ersten beiden Passagen sind mit ewta 20 - 25 Metern zwar respekt-, aber nicht furchteinfößend. Eine kurze Erläuterung, wie das Geschirr anzulegen ist, in dem man später sitzt und am dem das Seil befestigt wird, eine Einweisung wie man mittels der Änderung der Führung des Seils durch die Hand die Abstiegsgeschwindingkeit regulieren kann und dann melde ich mich als erster zum Abstieg. Unter den neugierigen Blicken aller anderen lehne ich mich über die Felskante, stehe nun im 90° Winkel zur Wand und versuche mich genauso abzuseilen wie man es mir gerade erklärt hat. Schnell merke ich, daß die Hand am Führungsseil heiß wird und nach der Hälfte der Strecke muß ich anhalten um die Hand abzukühlen. Als ich wieder sicheren Boden unter den Füßen spühre bin ich froh und stolz.
Die zweite Passage ist der ersten ähnlich, glatter Felsen und nicht höher als 20 Meter. Als wir jedoch zur dritten und letzten Passage kommen stockt allen der Atem. Vor uns liegen nochmal 50 Meter zerklüfteter Felswand die von uns bezwungen werden wollen. Wieder melde ich mich als erster. Das Problem mit der Reibungswärme an der Hand habe ich mittlerweile unter Kontrolle bekommen, jedoch ist das, der Form einer 8 ähnlichen, Metallstück, durch das das Seil läuft und das mit einem Karabinerhaken am Geschirr befestigt ist nach den 50 Metern so heiß, das man es nicht mehr berühren kann. Fast alle nehmen die Herausforderung an, nur zwei junge Frauen trauen sich nicht, und gehen mit dem Führer, der das Sicherungsseil nach unten bringt zu Fuß zu uns ins Tal.
Zur Belohnung gibt es noch 45 Minuten im 38°C warmen Wasser heißer Quellen, die sich in der Nähe unseres Ankunftspunkts befinden.

Kommentare:

fartmeal hat gesagt…

Gratuliere zur bestandenen Mutprobe! Auch 20m sind m.E. schon reichlich respekteinflössend, wenn man etwa an den 10m-Sprungturm im Schwimmbad denkt. Und dann noch mehr als doppelt so viel bzw. im Fall des Sprungtumrs mehr als 4x soviel... Alle Achtung!
(Ich wette, das hat Anna Maria mächtig imponiert und ich fürchte, schon bald wieder eine neue E-Mail und Chat-Adresse anlegen zu müssen *lol* )

Wolfram hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Wolfram hat gesagt…

Anna Maria ist selbst begeisterte Kletterin und mußte mir erstmal in mein Geschirr helfen.
Ich bleibe mir und meinen Vorsätzen (noch) treu! (Hat aber trotzdem Spaß gemacht)