Sonntag, 14. Januar 2007

Gans im Glück

Mendoza Street
Die Sonne schickt ihre rötlichen Strahlen in mein Hotelzimmer und weckt mich. Es ist kurz vor 9 Uhr. Ruhetag, denke ich, kein frühes Aufstehen um eine Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu treffen und dann auf eine Exkursion zu gehen. Der heutige Tag ist dafür reserviert die Stadt Mendoza zu erkunden. Bislang kam ich immer müde und ausgehungert in mein Quartier zurück, nur Zeit dafür den Schmutz des Tages von mir zu waschen und mir ein Restaurant zu suchen. Ich brauchte neue Energie für den nächsten Tag.
Laut meines Reiseführers ist Mendoza eine der schönsten Städte Argentiniens. Auffallend sind die zumeist niedrigen Gebäude im Kolonialstil und die bereits erwähnten Platanen, die so gut wie alle Straßen der Stadt wie ein Baldachin überspannen und so im Sommer für ausreichend Schatten sorgen. Wie hübsch muß die Stadt im Herbst aussehen, wenn das satte Grün der Blätter allen erdenklichen Rot- und Brauntönen weicht, denke ich, während ich durch die Gassen schlendere.
Die Plaza, der zentrale Ort jeder größeren Stadt Lateinamerikas, fehlt auch hier nicht. Jedoch hat man hier nicht nur einen, sondern gleich fünf davon. Sie sind in der Altstadt wie die fünf auf einem Spielwürfel angeordnet, wobei sich der größte, die Plaza Independencia, in der Mitte befindet. Hier trifft man sich am Abend, genießt die hereinbechende Nacht mit ihren kühleren Temperaturen und läßt sich von Gauklern und Straßenmusikern unterhalten.
Nach der Plaza Independencia beginnt die Fußgängerzone der Stadt und gerade als ich dort hineinlaufe höre ich das Quaken einer Gans, laut, fast flehend. Ich drehe mich um und sehe einen Mann mit einem jungen Hund, einem Weimaraner Welpen, an der Leine und dicht hinter den beiden eine Gans, den Kopf weit vorgestreckt, bei dem Versuch mit den beiden Schritt zu halten, was ihr mit den kurzen Gänsebeinchen sichtlich schwer fällt. Der Welpe dreht sich ab und zu um, und wirft einen ängstlichen Blick auf den Verfolger, der Mann jedoch ignoriert den lautstarken Begleiter völlig. Passanten bleiben stehen, lachen und schüttlen ungläubig den Kopf. Offensichtlich hat sich die Gans in den kleinen Hund verliebt, denke ich, und mir fällt die Geschichte von dem Schwan ein, der sich in ein Tretboot verliebte und es den ganzen Sommer lang werbend umschwamm.
Puppy love
Der Anblick des Wasservogels erinnert mich an den Swimmingpool meines Hotels. Die Vorfreude auf ein Bad im kühlen, klaren Wasser und ein paar Stündchen lesend im Liegestuhl zu verbringen, lenken meine Schritte zurück zu meiner Unterkunft. Noch schnell eine Exkursion für morgen gebucht. Welche? Dazu morgen mehr.

Kommentare:

fartmeal hat gesagt…

Auch ohne das Bild hätte ich Gans samt Hund und Halter vor mir gesehen, so schön und sprachlich gewandt hast Du das Trio und seine Umgebung beschrieben!
Ein Tag Pause muß schonmal drin sein bei de m Mammutprogramm, das Du da abziehst.

fartmeal hat gesagt…

P.S.: Jetzt muß ich mal kurz den Linguisten raushängen lassen: "Ganz im Glück" ist übrigens ein treffend gewähltes phonetisches Minimalpaar zu "Hans im Glück". Wie Akademiker eben so sind, müssen sie auch den trivialsten Erscheinungen klangvolle Namen geben, und der Wechsel eines einzigen Lautes (H gegen G in dem Fall) wird dann großspurig "Minimalpaar" genannt.
For what it's worth (gar nichts, nämlich *lol*)

Wolfram hat gesagt…

So, so, ich hielt mich für genial genug ein Wortspiel ersonnen zu haben und dann ist dieser "Kunstgriff" derart gewöhnlich, daß man dafür sogar einen Namen hat.
Ich hatte tatsächlich ein schlechtes Gewissen, weil ich einen Tag so habe verstreichen lassen, aber es musste dringend Wäsche gewaschen werden und dann hätte eine Exkursion einfach nicht mehr reingepasst.