Um genau 8:30 Uhr hebt das Flugzeug in Richtung Buenos Aires ab. Ich kann unter mir die Präkordilliere sehen und, als wir höher steigen, auch den Hauptkamm der Anden. Saftiges, grünes Grasland erstreckt sich im Tal.
Etwa zwei Stunden später landen wir in Buenos Aires. Ich versuche meinen Anschlußflug nach El Calafate zu bekommen, der nur eine halbe Stunde später die Stadt verlässt. Leider ist der Flug voll, genauso wie die nächsten beiden. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als eine Nacht hier in Buenos Aires zu verbringen. Ist nicht weiter schlimm, ich habe ja genug Zeit und es gibt schlechtere Orte für einen ungeplanten Zwischenstopp.
Ich frage nach, wie ich jetzt an meinen Koffer komme und man sagt mir, dass die stand by Koffer nach Abschluß des letzten Fluges auf das Kofferband kommen.
Ich warte 45 Minuten vergebens. Eine Nachfrage bestätig, dass mein Koffer ohne mich die zweitausend Kilometer lange Reise nach Patagonien angetreten hat.
Man versichert mir, dass er mit der letzten Maschine zurückkommt und die landet kurz nach Mitternacht.
Argentinier sind wirklich liebe Menschen, stets freundlich und bemüht, aber mit der Organisation hapert es manchmal. Ich traue der Aussage des Aerolineas Angestellten zwar nicht, aber es bleibt mir nichts anderes übrig, als mir ein Hotel zu suchen und darauf zu vertrauen, dass ich meine Habseligkeiten morgen wieder bekomme und meine Reise fortsetzen kann.
Mittwoch, 18. Januar 2012
1026 Stufen
... sind es bis zum Gipfel des Cerro Bernardo. Man könnte auch die Teleférico, die Seilbahn, nehmen, aber das möchte ich nicht.
Eigentlich sollte heute mein Ruhetag werden, keine Aktion, kein Ausflug, nur ein Buch, ein Platz in einem Café und eine Menge Zeit.
Als ich aufwache fällt mir der Berg ein, der sozusagen der Hausberg Saltas ist. Nur 1454 Meter weist er auf und ist auch sicherlich sonst keine Herausforderung, bietet aber einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und das Umland.
Ich freue mich als ich die letzte Stufe erklommen habe und mein nasses T-Shirt erst mal trocknen lassen kann. Die Temperaturen sind hoch und die Luftfeuchtigkeit ist es auch.
Man kann das ganze Tal von hier oben überblicken. Man könnte mir ein Foto von hier zeigen, ohne das ich wüsste, wo es aufgenommen wurde, könnte ich sofort sagen, dass es sich um Südamerika handelt. Warum weiß ich nicht genau. Sind es die grünen Hügel, die hohen Berge, die weiten Täler?
Mich erinnert diese Landschaft an Kolumbien, das das erste Land auf diesem Kontinent war, das ich, vor mehr als 20 Jahren, besucht habe.
Von allen Plätzen auf der Welt, von meiner Heimat Europa einmal abgesehen, fühle ich mich hier am meisten zu Hause.
Morgen werde ich Salta in Richtung Patagonien verlassen. Salta, la Linda - die Schöne - diesen Titel hat sie sich verdient.
Eigentlich sollte heute mein Ruhetag werden, keine Aktion, kein Ausflug, nur ein Buch, ein Platz in einem Café und eine Menge Zeit.
Als ich aufwache fällt mir der Berg ein, der sozusagen der Hausberg Saltas ist. Nur 1454 Meter weist er auf und ist auch sicherlich sonst keine Herausforderung, bietet aber einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und das Umland.
Ich freue mich als ich die letzte Stufe erklommen habe und mein nasses T-Shirt erst mal trocknen lassen kann. Die Temperaturen sind hoch und die Luftfeuchtigkeit ist es auch.
Man kann das ganze Tal von hier oben überblicken. Man könnte mir ein Foto von hier zeigen, ohne das ich wüsste, wo es aufgenommen wurde, könnte ich sofort sagen, dass es sich um Südamerika handelt. Warum weiß ich nicht genau. Sind es die grünen Hügel, die hohen Berge, die weiten Täler?
Mich erinnert diese Landschaft an Kolumbien, das das erste Land auf diesem Kontinent war, das ich, vor mehr als 20 Jahren, besucht habe.
Von allen Plätzen auf der Welt, von meiner Heimat Europa einmal abgesehen, fühle ich mich hier am meisten zu Hause.
Morgen werde ich Salta in Richtung Patagonien verlassen. Salta, la Linda - die Schöne - diesen Titel hat sie sich verdient.
Montag, 16. Januar 2012
Highway to Hell

Ich soll um 11:00 chilenischer Zeitrechnung in meinem Hotel abgeholt werden. Das bedeutet irgendetwas zwischen 12:00 und 13:00, vielleicht auch später. Um 12:30 erscheint mein Fahrer und drängt zur Eile, gerade so, als ob ich mich verspätet habe.
Chilenen sind wahre Meister in der Fehleinschätzung von Zeit. Sie halten sich für das bestorganisierteste Land Lateinamerikas, belegen jedoch auf meiner Liste den letzten Platz.
Den Wagen, der mich abholt, kenne ich schon. Es ist eben dieser schrottreife Ford Van, mit dem man mich schon von der argentinischen Grenze abgeholt hat. Auf Grund von fehlender Dichtungen, kommt auf den Schotterpisten massenweise Staub ins Fahrzeug, so dass wir alle durch unsere T-Shirts atmen müssen. Das fällt im Normalfall schon schwer, bei einer Höhe von 4300 Metern um so mehr.
Es geht zur Grenzkontrolle. Die Schlange vor der Grenzstation ist vielleicht einhundert Meter lang. Das würde nicht lange dauern, versichert Señor Jorge, der auf Transporte in San Pedro ein Exklusivrecht besitzt und der sich als ein Großmeister des Zeitmanagements herausstellt. Tatsächlich lässt man uns geschlagene zweieinhalb Stunden in der Mittagshitze stehen. Zur Erinnerung: wir sind in der Wüste und die Temperaturen in der Sonne klettern leicht auf über 50°C.
Um drei Uhr ist Abfahrt, da hätten wir aber schon an der Grenzstation sein sollen, um in das argentinische Fahrzeug umzusteigen. Señor Jorge schätzt, dass wir um sieben Uhr abends in Salta sind. Mir reicht sein dummes Geschwätz und ich bitte ihn einfach nur den Mund zu halten und keine weiteren Einschätzungen mehr zu geben. Jetzt ist er beleidigt - gut so!
Die Straßen auf argentinischer Seite sind schlecht, auf chilenischer Seite jedoch in einem so erbärmlichen Zustand, das eine Geschwindigkeit über 40 Km/h das altersschwache Vehikel glatt in Stücke reißen würde. Man stelle sich eine Fahrt über 600 Kilometer auf einer, mit dickem Staub bedeckten, einem Waschbrett gleichenden Piste vor und hat eine ungefähre Vorstellung von dem, was uns jetzt erwartet.
Ich versuche mich mit Musik abzulenken und suche auf meinem iPhone nach etwas passendem. Ich finde „Highway To Hell“ von der Gruppe AC/DC und bin mit meiner Wahl zufrieden. Ich drücke auf den Startknopf. Das wird der Soundtrack meines heutigen Tages.
Schön, dass ich wenigstens nette Reisegefährten habe. Drei Portugiesinnen, die sich hier erst kennengelernt haben, sitzen neben mir und unterhalten mich.
Es ist unglaublich wie viele multilinguale junge Menschen ich hier kennenlerne. Ich halte mich mit meinen fünf Sprachen schon für einigermassen cosmopolit, aber ich treffe pausenlos auf Leute, die problemlos und fließend sieben Sprachen sprechen.
Übrigens, eine Sache auf die ich stolz bin: ich mache hier alles auf Spanisch, eine Sprache, die ich offiziell nie gelernt habe. Alle Buchungen, Reservierungen, Bestellungen, telefonisch oder persönlich, zwinge ich mich in Spanisch zu erledigen, auch wenn mein Gegenüber Englisch spricht. Zwar gibt es das ein oder andere Missverständnis, aber im Großen und Ganzen bekomme ich das, was ich will!
Wir treffen um sieben Uhr an der argentinischen Grenze ein. Einer der Wagen hat einen platten Reifen, seit wann, weiß ich nicht.
Die Grenzstation ist nur eine Hütte mitten im Nichts. Die Grenzbeamten erzählen mir, dass sie einen Monat lang ununterbrochen in dieser Einöde Dienst schieben, und dann fünf Tage frei haben. Wenn sie nach Salta zu ihren Familien wollen, gehen davon jeweils ein Tag für An- und Abreise verloren. Durchschnittlich kommen 8 Reisende am Tag durch ihren Grenzübergang, der Rest des Tages ist Langeweile und Kartenspiel.
Um zwei Uhr morgens treffen wir in Salta ein. Das Hotel in das ich mich fahren lasse ist leider ausgebucht. Eine Reservierung habe ich nicht. Habe ich nie, weil ich es hasse mich festlegen zu müssen. Auch das nächste Hotel, in dem ich frage, hat keinen Platz mehr für mich. Auf der Straße komme ich an zwei Transvestiten vorbei, die sich in einen Hauseingang zurückgezogen haben. Ich fände es besser, wenn das nächste Hotel nicht besetzt wäre und so ist es auch.
Ich wasche den Staub des Tages von meinem Körper und falle in einen gesegneten, zehnstündigen Tiefschlaf.
Sonntag, 15. Januar 2012
Die Erde kocht

Um 3:30 reißt mich der Wecker aus dem Schlaf. Erst 4 Stunden zuvor war ich ins Bett gegangen. Es ist noch kühl als ich mit Davide, einem Italiener, der mich in den letzten Tagen begleitet hat, vor dem Hotel auf unseren Fahrer warte. Die Temperaturen fallen Nachts stark ab. Tagsüber kommt man auf um die 34°C, nachts fällt das Thermometer auf 5°C, es fühlt sich aber durch die extreme Trockenheit aber wärmer an.
Wir wurden ermahnt uns warm anzuziehen, denn unser Ausflug führt uns auf 4320 Meter Höhe, zum höchstgelegenen geothermischen Feld der Erde, den Geysiren von Tatio, wo wir noch vor Sonnenaufgang ankommen sollen.
Ein paar verschlafene Mitreisende werden noch in verschiedenen Hotels eingesammelt und dann verlassen wir San Pedro in Richtung Norden. Die Straßen, eigentlich Staubpisten, die sich kaum von ihrer Umgebung unterscheiden, sind extrem schlecht. Einmal setzt unser Bus auf einer Bodenwelle auf und kommt erst nach mehreren Versuchen der Vor- und Zurückfahrens wieder frei. Manche der Autos, die zum Touristentransport dienen, halten bei diesen Straßenverhältnissen nicht länger als ein Jahr, bis sie schrottreif sind, erzählt mir unser Fahrer bei einer Pause.
Neben mir sitzen zwei Brasilianerinnen aus Salvador da Bahia. Die kälteste jemals gemessene Temperatur dort waren, während eines Kälteeinbruchs, 20°C. Beide tragen ein T-Shirt und eine dicke Strickjacke. Für Brasilianer eine polartaugliche Ausrüstung. Schon während der Fahrt im Bus fangen sie an zu frieren. Für die 80 Kilometer brauchen wir zweieinhalb Stunden.
Als sich die Türen öffnen erwarten uns -5°C, bis zum Sonnenaufgang, etwa einer Stunde später, wird die Temperatur noch auf -8°C sinken.
Schon in der Dunkelheit kann man ein Feld von Geysiren erkennen, das Gurgeln des kochenden Wassers hören und den schwefligen Geruch wahrnehmen.
Unser Fahrer klärt uns auf, warum wir so früh vor Ort sind. Tagsüber wird es so hell und warm, dass man die Geysire kaum noch sehen kann. Bei den Temperaturen, die wir jetzt haben steigen die Dampfsäulen der größten Geysire etwa einhundert Meter in die kalte Morgenluft.
Die beiden Brasilianerinnen frieren unglaublich. Selbst für mich fühlt sich der frühe Morgen kälter als -5°C an. Eine der beiden hat sich ihr Halstuch so um den Kopf gebunden, dass nur noch die Augen rausschauen. Ich hänsle sie damit, dass sie aussieht als trüge sie eine Gurkha und nenne sie nur noch die Afghanin.

Bei der Höhe machen die kleinsten Aktivitäten Mühe. Ich kann mich nur in Zeitlupe bewegen und habe trotzdem einen Puls von 140. Alle Fahrer haben hier Sauerstoff dabei um Höhenkranke sofort versorgen zu können.
Es ist eine komplett unwirkliche Stimmung, als die Sonne aufgeht und die verschneiten Gipfel der umliegenden Berge in zarte Pastellfarben taucht.
In einem der Becken kann man, wenn man möchte, baden gehen. Ich möchte nicht, denn ich habe keine Lust bei den herrschenden Temperaturen aus dem körperwarmen Wasser zu steigen und mich im Freien abtrocknen und anziehen zu müssen.
Neben der Höhe macht mir in San Pedro am meisten die trockene Luft zu schaffen. Meine Nasenschleimhäute sind so trocken, dass ich sie versuche mit Handcreme einigermaßen feucht zu halten. Viel Erfolg habe ich damit nicht. Das Atmen fällt schwer.
Der Ausflug nach Chile, der morgen zu Ende geht, war sicherlich ein Highlight meiner Reise. Noch nie habe ich so eine bizarre Landschaft, so unglaubliche Farben und eine solche Vielfalt wild lebender, exotischer Tiere gesehen. Vielleicht wird das die beste Reise meines Lebens.
Samstag, 14. Januar 2012
Der Zauberberg

Die Fahrt in nach San Pedro de Atacama war unglaublich strapaziös. Die zwölf Stunden Fahrzeit, die Hitze, der Staub und die Höhe zollen ihren Tribut.
Viel Zeit zum Erholen bleibt mir trotzdem nicht. Um 7:00 Uhr werde ich vor meinem Hotel abgeholt um an einem Ausflug zu einem Süsswassersee in der Wüste und einen Salzsee teilzunehmen.
Die Atacama Wüste ist der trockenste Ort auf der Erde. Es gibt hier Landstriche in denen noch nie auch nur ein Tropfen Regen gefallen ist, seit die Kontinente so aussehen, wie wir sie heute kennen. Es gibt hier Gegenden, die so trocken sind, dass nicht einmal Bakterien dort überleben können. Mit anderen Worten: die Wüste ist an manchen Stellen steril!
Der Süsswassersee ist von zum Teil noch aktiven, schneebedeckten Vulkanen umgeben, aus deren Kratern Rauchfahnen aufsteigen. Alle von ihnen sind über 6000 Meter hoch.
An seinen Ufern baut unser Führer ein kleines Frühstücksbuffet auf und versucht uns nebenbei ein paar Worte Quetchua beizubringen.
Am Ufer finden sich einige Flamingos ein und kaum haben wir uns niedergelassen kommt eine kleine Herde Vicuñas um nach Nahrung zu suchen. Wir sind hier bereits auf 4000 Meter Höhe und ich wundere mich, wie diese Tiere sich in der dünnen Luft so schnell und scheinbar mühelos bewegen können, wenn mir schon die kleinsten Bewegungen schwer fallen.

Am Salar San Pedro werden nicht metallische Mineralien gewonnen, die sich auf dem Weltmarkt gut absetzten lassen. Ein drittel des Lithiumvorkommens der Welt liegt in Chile. Man vermutet hier im Land so hohe Vorkommen des Minerals, dass Chile das neue Saudi Arabien werden könnte, denn Lithium wird für Lithium-Ionen-Akkus weltweit stark nachgefragt.
Unser Führer sagt, dass jeder von uns ein Stückchen Chile in seinem Telefon und seiner Kamera mit sich trägt.
Touristen kommen aber aus einem anderen Grund hierher. In der Salar leben drei Arten von Flamingos, die dort kleine Krebstiere im Überfluss finden.
Man kann ganz nah an sie herangehen und sie beobachten, wie sie ihren Tanz aufführen. Mit den Tanzbewegungen versuchen sie die Krebse zum Wegschwimmen zu bewegen, damit sie sie dann fressen können.
Der Tanz Flamenco wurde nach dem Tanz dieser Tiere benannt.

Auf dem Rückweg nach San Pedro überrascht unser Führer uns mit einer Besonderheit der Gegend. An einem kleinen Hügel stellt er den Motor unsers Kleinbusses aus und der Bus wird trotzdem, wie von Geisterhand, nach oben gezogen.
Der Berg ist so magnetisch, dass er einen vollbesetzten Bus aufwärts bewegen kann. Unglaublich!
Das Mondtal ist der letzte Stop des Tages. Wir fahren durch trockene Sandwüste und kommt schließlich in einem felsigen Gebiet an, das tatsächlich an eine Mondlandschaft erinnert. Bei einer Wanderung durch die Felsskulpturen erfahren wir, das diese aus Salz geformt sind und unglaubliche Formen aufweisen. Ein Felsen sieht aus, als hätte man lauter Würfel aufeinandergestapelt, ein anderer wie riesige Kühlrippen eines Motors.
Unser Führer bittet uns für einen Moment ganz Still zu sein. Man hört gar nichts. Keinen Vogel, keine Motoren, Flugzeuge oder andere Lärmquellen. Absolute Stille.
Ab und zu hört man eine Art Knistern aus dem Fels. Das Salz zieht sich mit nachlassenden Temperaturen zusammen und macht dabei dieses Geräusch.
Auf einer Anhöhe bleiben wir sitzen und beobachten wie die Landschaft in rotes Licht getaucht wird, bis die Sonne am Horizont verschwunden ist.
Atacama

Vor uns liegen über 600 Kilometer über den Andenpass Sigo, hauptsächlich auf unbefestigten Wegen in die chilenische Atacamawüste, in das Örtchen San Pedro de Atacama.
Wegen Schneefalls wurde der schneller und besser zu erreichende Jama-Pass über Nacht gesperrt. Der Fahrer unseres Jeeps meint das wäre gar nicht so schlimm, der die Fahrt über den Sigo-Pass ist landschaftlich viel schöner. Wie sich bald zeigt hat er Recht.
Bald verlassen wir den asphaltierten Teil der Strecke und fahren fortan auf Staubpisten. Eigentlich unmerklich steigt man Meter auf Meter. Zur Mittagszeit halten wir in San Andres de Los Cobres auf 4200 Meter Höhe. Ich merke die dünne Luft, habe ein schwaches Druckgefühl im Kopf und leichte Nackenschmerzen, bleibe aber ansonsten von der Höhenkrankheit verschont.
Die Gruppe die mit mir reist besteht aus einem österreichischen Paar und einem Italiener aus Bologna. Wir verstehen und prächtig und habe viel Spaß. Die Zeit bis zur chilenischen Grenze vergeht wie im Flug.
An der Grenze müssen wir in ein chilenisches Fahrzeug umsteigen, unser Geländefahrzeug fährt zurück nach Salta. Der Wagen, der uns abholt hat sich verspätet und so warten wir in der Grenzstation.
Vor dem Gebäude stehen zwei Motorräder, eine russische Ural mit Beiwagen und eine KTM. Die beiden vollkommen eingestaubten Fahrer ruhen sich ebenfalls in der Station aus, bis ihre Papiere über Funk kontrolliert werden.
Sie sind vor 7 Monaten in Kalifornien gestartet und haben sich zum Ziel gemacht ganz Südamerika zu umrunden und dabei durch jedes Land des Subkontinents zu fahren.
Es sind unglaublich sympathische und lustige Männer und wir vertreiben uns die Wartezeit mit unseren Reiseerlebnissen.
Unser chilenische Fahrzeug ist ein altesschwacher Ford Van, dessen Türen nicht richtig schließen und deshalb kommt soviel Staub in das Fahrzeug, dass wir bald mit einer dicken Staubschicht überzogen sind. Entschädigt werden wir von der Aussicht, die so unglaublich schön ist, dass mir die Worte fehlen um sie zu beschreiben.
Eigentlich bin ich hundemüde und würde gerne schlafen, kann mich aber nicht von dem Ausblick wegreißen.
Donnerstag, 12. Januar 2012
Zum Mittag gibt es Lama

Eine von vielen schönen Kindheitserinnerungen ist die, aus der Schule zu kommen und zu erfahren, dass wir heute in den Berliner Zoo gehen. Wenn wir dann noch einen Freund mitnehmen durften (durften wir immer), war der Spaß grenzenlos.
Der Ablauf war immer der gleiche: erstmal auf die Drachenschaukel, dann die Elefanten, der Affenfelsen und dann die Lamas. Nachdem wir erfahren hatten, dass Lamas spucken, wenn man sie ärgert, versuchten wir alles, um wenigsten eines von ihnen ein Mal spucken zu sehen. Natürlich vergeblich.
Nie hätte ich damals gedacht, dass ich diese Tiere mal in ihrer Heimat, in freier Wildbahn sehen und sogar ihr Fleisch probieren würde.
Mein Ausflug führt mich heute in den nördlichsten Teil des Riesenlandes, durch die weltbekannte Humahuaca Schlucht, bis kurz vor die Grenze Boliviens. Seit 1993 ist die Schlucht und das Dorf Humahuaca von der UNESCO zum Weltnatur- beziehungsweise Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.
Schon der Klang der Namen der Ortschaften, durch die wir kommen hören sich nach Abenteuer an: Jujuy (gesprochen Chuchui), Purmamarca und eben Humahuaca.
In der breiten Schlucht, durch die unser Wagen sich die Berge auf der Panamericana emporkämpft, gibt es jede Menge wilder Tiere: Pumas, Wildkatzen, Jaguare, Papageien und Tukane, doch die leben in den Wäldern versteckt und wir haben nicht die Zeit, sie zu beobachten.
Seinen Status als Weltnaturerbe verdankt die Schlucht einem Phänomen, das meines Wissens nach nur hier vorkommt. Berge, deren Gestein durch Bodenerosion freigelegt wurde, und die in bis zu sieben verschiedenen Farben leuchten. Dabei bilden Verwerfungen im Gestein unglaubliche Bilder. Eines heißt die Malerpalette und sieht aus als ob jemand mit einem vielfarbigen Pinsel Schlangenliene auf den Berg gemalt hat.
Der Norden Argentiniens ist eine seismisch sehr aktive Gegend. Der Druck auf die Berge wirkt nicht nur von unten her und lässt sie immer noch wachsen, sondern auch von den Seiten, wodurch diese Schlangenlinien entstehen.
Dieser hier heißt einfach nur Berg der sieben Farben:

Die breiten Täler, die weiten Blicke und die extrem hohen Berge um uns herum, zusammen mit dem geologischen Farbenspiel hinterlässt einen atemberaubenden Eindruck auf mich. Man kommt sich einfach nur sehr klein und unbedeutend vor.
Wir halten in vielen kleinen Dörfern an um uns umzusehen. In Purmamarca findet ein sehr farbenfroher Indiomarkt statt. An einem Stand steht ein Indiomädchen mit rundem, freundlichen Gesicht und strickt Socken aus Lamawolle. Ein Paar davon gehört jetzt mir und soll mich auf meiner Reise in den Süden warm halten.
In Humahuaca steigt ein einheimischer Führer zu und gibt uns einige Informationen zu seiner Heimat und seiner Kultur, führt uns durch seinen Ort und erklärt uns die Bedeutung der Lamas (spanisch Llamas, gesprochen Schamas) für die Bevölkerung der Anden.
Kurz zuvor hatten wir eine archäologische Ausgrabung besichtigt, ein Festung von Tilcara, die den Inkas dazu diente die Spanier zu beobachten.
Einige der Häuser wurden rekonstruiert und können begangen werden. Die Mauern wurden aus groben Steinen geschichtet, so dass es genügend Lücken für Luftzirkulation gab. Tatsächlich ist es im Inneren schön kühl. Im Winter wurden die Wände zur Isolation mit Lamafellen abgehängt und in besonders kalten Nächten wurden die Lamas, als natürliche Heizung, mit ins Haus geholt.
Als wir dann beim Mittagessen in einer kleinen Dorfgaststätte sitzen, bestelle ich Lama in Weinsoße. Die Tiere tun mir zwar leid, aber trotzdem: geschmeckt hat es köstlich!
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