Sonntag, 21. Januar 2007

Mit eigener Kraft

Ich liebe es, mich mit meiner eigenen Kraft fortzubewegen. Egal ob beim Wandern, Radfahren oder wenn es auch nur darum geht eine neue Stadt zu erkunden. Ich mag die Entschleunigung, das langsame Fortkommen, die Möglichkeit seine Umwelt zu erfahren, zu sehen, zu riechen, zu spüren.
Auf dem Wasser bedeutet das Rudern und da die Seen einen geradezu dazu einladen, habe ich mich gestern zu einer halbtägigen Kajakexkursion angemeldet. Zu meiner großen Freude sind wir eine sehr kleine Gruppe mit nur 3 Personen, zwei Frauen knapp unter 30, eine Amerikanerin aus Oregon, Brigit, een echt lecker meisje van de Neederlands, ich selbst und unsere Skipperin Flo.
Kajak
Schnell wurde erklärt wie man in ein Kajak steigt, nämlich als ob man auf einem Pferd sitzt, mit dem Körper zuerst in die Öffnung rutscht und dann die Beine nachzieht. Sollte man es anders versuchen wollen, endet das garantiert mit einem unfreiwilligen Bad im 14°C kalten See. Die Knie sollten im Boot die Innenseiten der Bootswand berühren, die Fußsohlen zusammen, das gibt weitere Stabilität. Eigentlich hielt ich Kajaks für recht stabile Boote, aber sie sind, wie ich gleich merken soll, äußerst kipplig. Außerdem fahren wir in Doppelkajaks und da ist es besonders wichtig, die Paddel synchron zu führen. Die Gruppe wird auf zwei Boote aufgeteilt, wobei ich zum Steuermann gemacht werde und somit für die nächsten 3 Stunden Brigits Rückansicht genießen kann. Nur noch die Spritzdecke am Boot befestigt, die man beim Kentern schnell an einem Griff vom Boot lösen muss, da man sonst darin gefangen wäre, und schon bewegen wir uns auf dem ruhigen, glatten Wasser davon.
Es ist noch früh, vielleicht 9 Uhr, als unser Ausflug beginnt. Das Wasser ist herrlich klar, man kann fast an allen Stellen bis auf den Grund sehen. Die meisten dieser Seen sind sehr tief, bis zu 100 Metern, und sehr kalt, schließlich werden sie vom Schmelzwasser der umliegenden Gletscher gespeist. Wärmer als 14°C werden sie eigentlich nie, erzählt uns Flo, und das ist die Temperatur, die sie jetzt haben.
Schnell bewegen wir uns auf dem Wasser fort, das geringe Gewicht und die elegante, schlanke Form der Boote bieten dem Wasser kaum Wiederstand. Das Steuern des Kajaks ist nicht so einfach wie es aussieht. Immer wieder bewegen wir uns vom Schwesterboot weg und müssen den Kurs korrigieren. Der Morgen ist heiß und wir schwitzen schnell unter den Gummispritzdecken. Nach einiger Zeit verstehen Brigit und ich es immer besser unseren Paddeleinsatz zu synchronisieren und bald müssen wir uns nicht mehr konzentrieren und fangen an zu plaudern.
Sie erzählt von einer 3 monatigen Reise, die sie und ihren Lebenspartner durch ganz Südamerika führen soll. Beide haben lange dafür gespart, auf ein Viertel ihres Jahresgehalts verzichtet, ihre Arbeitgeber solange bekniet, bis diese einer so langen Abstinenz vom Arbeitsplatz zustimmten, Brigit ihre Flugangst überwunden und vor 3 Wochen sind sie dann zu dem Abenteuer aufgebrochen, das uns jetzt in diesem Boot zusammengeführt hat.
Immer wieder höre ich diese Geschichten von Reisebekanntschaften. Viele wollen eine Auszeit vom Alltag nehmen, sich einen Traum erfüllen solange sie jung und ungebunden sind, in eine unbekannte Welt eintauchen.
Seit zwei Tagen höre ich viel Hebräisch auf den Plätzen und in den Cafés der Stadt, alles sehr junge Leute, nicht viel älter als 20. Als ich darüber rede, erklärt Brigit mir, dass es sich dabei um junge Israelis, Frauen wie Männer, handelt, die soeben ihren 3-jährigen Wehrdienst abgeschlossen haben und ihre wiedererlangte Freiheit nun mit einer Reise feiern wollen, nur weit genug weg. Ich kann sie gut verstehen, schließlich ist der Wehrdienst in Israel kein Kindergeburtstag, sondern eine bitterernste Angelegenheit, bei der man sicherlich mehr als einmal sein Leben riskiert.
Fishing on an old jetty
Wir paddeln in der Nähe des Ufers entlang, das von dem, für diese Region so typischen, dichten Urwald gesäumt ist. Ab und zu jedoch gibt es prächtige Blockhäuser in gepflegten Anlagen, mit kleinen Stegen, die ins Wasser führen.
Das Bootfahren ist auf allen Seen grundsätzlich untersagt, zu empfindlich ist das Ökosystem der Gewässer. Es gibt jedoch wenige Ausnahmen für Fischerboote und zwei Passagierboote, die den Nahuel Huapi befahren. Kajaks dürfen jedoch überall verkehren.
Nach etwa 1 1/2 Stunden steuern wir einen kleinen unbewachsenen Uferstreifen an um eine kurze Pause einzulegen. Kaum angelegt, holt Flo eine Thermoskanne, Becher, eine rotweiß karierte Tischdecke und eine Dose mit kleinen Gebäckstückchen hervor und bereitet uns einen kleinen Imbiss.
Erst jetzt merke ich, wie sehr das Paddeln an den Kräften zehrt. Ich kann meinen Becher kaum ruhig halten außerdem haben sich an den Stellen, an denen das Paddel auf den Daumen aufliegt, bereits zwei Blasen gebildet.
Auf dem Rückweg halte ich das Paddel, indem ich die Daumen neben die Zeigefinger lege und so die Fahrt ohne Einschränkung genießen kann.

Kommentare:

fartmeal hat gesagt…

Meistens fasziniert mich die Fortbewegung nur mit Muskelkraft auch - heute allerdings war's eine Plackerei, weil tierischer Gegenwind - dah hatte die Faszination dann schnell mal "Pause". Aber an den Erwerb eines Kanus zusammen mit dem internetverdrahtenen Holzhaus an einem glasklaren kanadischen See hatte ich auch schon gedacht bzw. mir vorgenommen. Sounds like a good idea (mal abgesehen von den Blasen - aber Blasen hatte ich ja schon lang nicht mehr, in jeglicher Bedeutung *lol*)

Wolfram hat gesagt…

Na dann wünsche ich wenigstens ordentlich Blasen, wenn´s mit Haus und Boot nichts werden sollte :)

fartmeal hat gesagt…

Schätze, Haus, Boot und Internet-Schüssel liegen näher als Blasen :P