Dienstag, 9. Januar 2007

Am liebsten unterirdisch

Subte
Wo immer ich bin, wenn es heißt von einem Punkt zum anderen zu kommen verlasse ich mich auf öffentliche Verkehrsmittel und am liebsten fahre ich mit der U-Bahn. In Buenos Aires heißt diese Subte und das steht als Abkürzung für Subterrano. Es gibt 5 Linien, von denen 4 sternförmig auf einen Punkt zulaufen und eine Linie, die alle anderen kreuzt und somit eine Verbindung untereinander schafft. Ich liebe U-Bahnen, denn wo immer man ist, ist es kinderleicht sich zurechtzufinden. Nur ein Blick auf die "U-Bahn Spinne" und sofort weiß man wann man wo umsteigen muss. Außerdem sind sie in dem meisten Städten spottbilling, in BA kostet eine Fahrt, egal wohin, 17 Eurocent, und immer pünktlich.

Jedes Land hat seine eigene U-Bahn Kultur. In Tokyo gibt es die Pusher, die zu den Stoßzeiten die Reisenden in die Bahnen drücken und darauf achten, daß kein Körperteil mehr außerhalb des Abteils ist, wenn die Türen schließen, in New York die lizensierten Straßenmusiker, die erst vor einer Jury eines Konservatoriums vorspielen müssen um die begehrten Musiziererlaubnis zu erhalten und hier in Buenos Aires gibt es diverse fliegende Händler, die in einer Station einsteigen und auf dem Weg zur nächsten ihre Ware lautstark feilbieten, mal Kinderspielzeug, mal Telefonkarten, mal Schulhefte und bei der nächsten Station wieder aussteigen um auf den nächsten Zug zu warten.
Auffällig ist, daß Mann beim Ein- und Aussteigen Damen den Vortritt läßt, was dazu führt, daß alle Frauen fast immer einen Sitzplatz erhalten. Das ist die Kehrseite des südamerikanischen Machismo. Beim Frühstück im Hotel kann ich jeden Morgen beobachten, wie Frauen zuerst ihre Gatten und Kinder vom Buffet bedienen bevor sie sich selbst hinsetzen und dann sind die anderen schon fast fertig.

Argentinier sind keine großen Frühstücker, wen wundert´s wenn man kurz vor Mitternacht gerade erst ein Riesensteak verdrückt hat. Das klassische Frühstück besteht aus Hörnchen, die hier "medialunas", also Halbmonde, heißen und einem Milchkaffee. Das deckt sich ziemlich genau mit dem Frühstück, daß ich selbst zu Hause immer einnehme. Ich nehme für mich in Anspruch ein ausgewiesener Croissant-Experte zu sein. Es gibt da Riesenunterschiede in Qualität und Preis. Die, meiner Meinung nach, besten gibt es jedoch nicht in Frankreich, sondern genau hier in Argentinien. Es gibt zwei verschiedene Sorten, solche aus Mürbteig und Butterhörnchen, letztere sind meine Favoriten. Im Unterschied zu denen in Deuschland oder Frankreich, sind diese hier leicht gesüßt und haben ein feines, kaum spürbares Aprikosenaroma - einfach himmlisch. Dafür würde man gerne auch ein bisschen mehr zahlen, muss man aber gar nicht, denn billig sind sie obendrein. Ich habe heute bei einem Bäcker 10 Stück für $ 2,20 gesehen, das entspricht € 0,55 also gerade einmal 5,5 Eurocent pro Stück. Im Café verlangt man dagegen $1, also € 0,25.
Malvinas Memorial
Auf meinem Weg durch die Stadt kam ich heute am Denkmal für die im Falklandkrieg gefallenen Soldaten vorbei. Es wird von 2 bewaffneten Uniformierten bewacht und zeigt schwarze Marmortalfeln mit den Namen aller derer, die nicht wiedergekehrt sind. Die Schmach der Niederlage sitzt immernoch tief in der stolzen argentienischen Seele, wenn sie dem Land auch letztlich die lang ersehnte Freiheit und Demokratie wiedergebracht hat.
In einer Nacht- und Nebelaktion landeten damals argentinische Truppen auf den "Islas Malvinas" und erklärten sie zu argentinischem Hoheitsgebiet. Das Militär rechnete nicht damit, daß das Vereinigte Königreich seine Truppen um die halbe Welt schicken würde um sie wieder zu vertreiben. Eine fatale Fehleinschätzung, die den Generälen in der Folge die Macht kosten sollte.

Kommentare:

fartmeal hat gesagt…

"Nacht- und Nebel-Aktion": Da kann man mal sehen: Spät und reichlich essen (Steak vor Mitternacht) ist wirklich ungesund und führt mindestens zu unüberlegten (Kriegs-) Handlungen und damit u.U. sogar zum Tode...

Da würde ich mich als Argentinier dann doch lieber ans leicht gesüsste Butterhörnchen halten... ,-)

Wolfram hat gesagt…

Tja, so ist das halt mit den Militärs. Kämpfen haben sie gelernt und das ist das einzige was sie können. Von Diplomatie keine Ahnung, Steak hin, Hörnchen her.

fartmeal hat gesagt…

Lecker Hörnchen ist doch eh besser für Mann und Frau *lol*