Montag, 25. Januar 2010

Willkommen im Paradies

Palm tree

Die Wolke über mir hat die Form einer riesigen zwei. Es dauert nicht lange, dann hat der Wind sie in eine andere Form geblasen und die untergehende Sonne sie in ein noch intensiveres Orange getaucht.
Ich lasse mich im warmen Waser des Pools treiben, beobachte die Vögel und die Wolken über mir und wie die Landschaft um mich herum, von den dunklen Armen der Nacht umschloßen wird.

Die Fahrt nach Koh Tao beginnt um 8 Uhr morgens, als der Bus Hua Hin in Richtung Süden verlässt. Wir fahren an Thailands schmalster Stelle entlang. Nur 12 Kilometer breit ist das Land zwischen Ozean der Grenze zu Burma. Nach 5 Stunden erreichen wir das Fährterminal, von dem die Passagiere auf die Inseln im Golf Thailands ablegen. Ko Samui, die größte und bekannteste der drei, hauptsächlich von Pauschaltouristen und Familien besucht, Koh Phan Ngan, bekannt für seine Vollmondparties und auf ein Publikum junger Traveller eingerichtet und mein Ziel, Koh Tao, Tauchermekka und die entspannteste, kleinste und ruhigste Insel der drei Golfschönheiten.

Ich hatte versuch am Vortag per Telefon und Internet ein Hotel zu buchen, hatte dabei aber keinen Erfolg. Alles, oder zumindest die Unterkünfte, die am Meer liegen, so schien es, sind ausgebucht. Ich möchte aber nicht in irgendein Hotel an der Hauptstraße, wohlmöglich mit einer Baustelle daneben. Ich möchte in eines der Bungalowhotels direkt am Strand, die die gesamte Westküste säumen.
Ich lasse mich mit einem Taxi an die schönste Stelle bringen und fange einfach an zu suchen. Tatsächlich sind die ersten 3 Unterkünfte, bei denen ich anfrage schon voll, aber schon bei der vierten habe ich Glück. Lustigerweise eine derjenigen, bei denen ich gestern noch angerufen habe, und die kein Zimmer frei hatten.
Erst jetzt verstehe ich, dass die Gäste hier bleiben können solange sie wollen, ohne sich vorher festzulegen, und erst wenn jemand sich zur Abreise entschließt, wird das Zimmer, oder der Bungalow wieder vergeben.

Ich schmeiße meine Koffer in das Zimmer und gehe runter zum Stand. Ich fühle mich wie im Paradies. Die Sonne geht langsam unter, man sieht hauptsächlich junge und gutaussehende Menschen, mit gebräunter Haut. In den Strandbars kehrt langsam Leben ein, eine leichte Briese weht.
Ich komme an einer Palme vorbei, die der Wind irdendwann in ihre schiefe Lage und dazu gebracht hat, ihre Wuchsrichtung abrupt zu ändern. Sie sieht aus, als hätte man ihr, mir irgendeinem Hilfsmittel, einen 90° Winkel verpasst.
Auf der Insel gibt es keine Hochhäuser. Alle Hotels haben große Anlagen und darauf Bungalows, einfachere aus Holz und Bambus, oder, die etwas teureren aus Ziegeln. So sieht die Insel vom Meer fast unbewohnt aus, da sich alle Häuser in Gärten und hinter Palmen verstecken.

Was ich hier tun will? Jetzt kommt das Beste: Gar nichts! Es heißt man könne hier, durch die große Konkurrenz an Tauchschulen, so günstig wie nirgendwo sonst, das Tauchen erlernen, aber ich wohne zu weit vom Meer entfernt, als dass sich das für mich lohnen würde.
Ein paar Agenturen bieten Felsenklettern an, und eine einen Schnorchelausflug auf dem man garantiert mit Haien schwimmen kann. Den ein oder anderen Ausflug werde ich sicherlich machen, aber eigentlich möchte ich nur im Meer schwimmen, ein Buch lesen, ab und zu an einer der vielen Bars einen Drink nehmen und ansonsten nichts tun.

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Oh ja, Wolle - das ist tatsächlich das Paradies! Nach nichts sehne ich mich im Augenblick mehr, als so etwas für einige Wochen in vollen, unbeschwerten Zügen geniessen zu können - ohne Gedanken an die verpassten und nicht optimal genutzten Gelegenheiten der Vergangenheit, ohne Angst vor der Zukunft und die Sorge, was jetzt noch wird (mit mir), in so angenehmer, zurückhaltender und gleichzeitig belebender Gesellschaft wie der Deinen, ohne feste Pläne, aber mit einigen attraktiven Optionen (Schorcheln, Tauchkurs oder ähnliches), mit der Aussicht auf einige atemberaubende Sonnenuntergänge, vielleicht einige unverhoffte Bekanntschaften an der abendlichen Bar, sprich: Lebensqualität pur und vom Feinsten!

OK, ich habe begriffen, dass Thailand in irgendeiner Form noch einmal ein Urlaubsziel für mich werden sollte - sofern ich mal wieder in die Lage komme, mir welchen gönnen zu können. Vielen Dank für Deine ausführlichen, kurzweiligen, mit herrlichen Bildern durchsetzten und nicht zuletzt informativen Berichte!

Wolfram hat gesagt…

Einige von den Travellern, die sich dazu entschloßen haben länger zu bleiben (oder sogar für immer), halten sich mit kleinen Jobs über Wasser.
Mädels versuchen ihre Landsleute in die verschiedenen Bars zu bugsieren, andere kellnern in Lokalen und dann habe ich heute einen Engländer gesehen, der in einer Bar Gitarre gespielt, und dazu auch ein bisschen gesungen hat.
Sicherlich nichts zum reich werden, aber die halten sich damit über Wasser und viel braucht man hier ja nicht.

Charles hat gesagt…

Tauchen? Ne Du, segeln, ist doch klar! Entweder 'n kleinen catamaran zum selbst schaufieren oder auf was groesseres fuer ne Tages Tour. Und wenn's das nicht gibt auf der Insel dann wiss'n wir ja jetzt was fuern Geschaeft der Wern & ich dann da aufmachen - willste mitmachen?

renovatio hat gesagt…

Charles - hahaha! Klasse Plan! Segeln kann Wolle schon, Du ja auch mittlerweile - und ich lern dann für'N Anfang die Original Thai Curry-Paste zuzubereiten. Solange, bis auch ich die Leinen festgezurrt, das Ruder auf Kurs gebracht und die Gitarre für den Abend gestimmt habe, hahaha!

Wolfram hat gesagt…

OK, Charles bin dabei, denn, ob Du's glaubst oder nicht, Segelboote gibt's hier keine. Nur dicke alte Kutter, die die Taucher zu ihren Spots bringen oder Longtailboote als Wassertaxi.
OK, ich bin dabei!