Mittwoch, 13. Januar 2010

"No Red Please"

Tiger

"And please remember not to wear any red, orange or pink" ermahnt mich das Mädchen, bei dem ich gerade den Ausflug gebucht habe, als ich mich verabschiede. Rot und rosa könnten die Tiger für Verletzungen halten und mich attackieren, orange ist den Mönchen vorbehalten und man möchte, dass diese sich von den Besuchern unterscheiden. Mein Besuch soll mich in den berühmten Tigertempel führen, der bekanntesten Touristenattraktion der Umgebung von Kanchanaburi.
Der Abt und Gründer des Klosters muss wohl mal einen verwaisten oder veletzten Tiger gefunden und sich seiner angenommen haben. Schnell sprach sich die Nachricht herum und Reporter kamen von überall herbei um über den Tigermönch zu berichten. Selbst im deutschen Fernsehen habe ich, in der Reihe "Auslandsjournal", einmal einen Bericht über den Abt gesehen.
Aus einem Tiger sind mittlerweile 30 geworden und der geschäftstüchtige Mönch erkannte das Potenzial seiner Bekanntheit. So wurde aus dem Kloster ein Touristenmagnet, den sich niemand entgehen läßt, der sich in der Gegend aufhält.
Besuchszeit des Tempels ist zwischen 12 und 15:30 Uhr und zu dieser Zeit reißen die Besucherschlangen nicht ab. Gleich beim Durchschreiten der Klosterpforten fällt mir ein penetranter Geruch auf. Mittlerweile nennen die Mönche nicht nur die Großkatzen sondern auch Hirsche, Wildschweine, jede Menge Wasserbüffel und ein Kamel ihr eigen. Die Mischung der Gerüche all dieser Tiere schlägt mir nun entgegen.
Nach einen kurzen Marsch über die Anlage werden die Besucher in eine Schlucht geführt, wo sie sich wiederum in eine Schlange Wartender einzureihen haben. Die Raubtiere liegen an, im Boden befestigten, Pflöcken angekettet, träge in der Mittagshitze. Die Besuchszeiten sind extra deshalb so gewählt, da die Tiere nach ihrem täglichen Training, der Fütterung und der mittäglichen Temperaturen wegen, besonders friedlich sind.
Während wir in der Schlange warten, wird uns gesagt, dass wir nicht selbst fotografieren dürfen, sondern das einer der beiden Aufpasser, die jedem Besucher zugeteil werden, das Fotografieren erledigen wird. Einer der Wärter nimmt den Besucher an der Hand und führt ihn durch die Schlucht, der andere ist dafür zuständig, Fotos des Besuchers mit den Katzen zu machen. Man will einfach keine Besucher alleine durch die Schlucht laufen und, auf der Suche nach dem besten Motiv, unvorsichtig werden lassen.
Die Damen müsssen zudem noch alle Halsketten und Armreifen abnehmen, da, genau wie bei Hauskatzen, der Spieltrieb durch herunterhängende, hin- und herschaukelnde, Anhänger geweckt würde. Außerdem sind keine Sonnenbrillen erlaubt, denn die machen Tiger agressiv.

Endlich bin ich an der Reihe. Einer der Helfer nimmt meine Kamera, der andere meine Hand und führt mich zu meinem ersten Tiger. Man muss sich jedem Tier von seiner Hinterseite her nähern, weil von der weniger Gefahr droht, als von der Seite an der sich der Kopf mit den tödlichen Zähnen befindet. So knie ich vor den riesigen Tier nieder und kann, zum ersten Mal in meinem Leben, einen Tiger berühren. Ein paar Fotos und schon geht's zum nächsten Tier. Bei einer der Katzen kann ich die enorm große und kräftige Hintertatze in die Hand nehmen, bei einem anderen halte ich sogar den Schwanz in die Höhe, während ein Foto von mir gemacht wird.

Holding a tiger's tale

In wenigen Minuten ist alles vorbei und jeder Besucher prüft sofort nach Verlassen der Schlucht die Fotos, die soeben von ihm und den Tigern gemacht wurden.
Als nächstes kann man die Jungtiere besuchen, die zum Teil in großzügigen Gehegen und zum Teil ebenfalls am Boden angekettet auf Besucher warten. Hier darf man nun selber fotografieren, es stehen lediglich ein paar Mönche als Aufsicht bereit.
Gerade als wir uns zum Gehen wenden, fährt ein Pick-up Laster an uns vorbei und wirft haufenweise Tapioka-Knollen auf den Boden. Im Nu kommen die Wasserbüffel und das Kamel herbeigerannt um sich ihr tägliches Futter abzuholen und man befindet sich auf einmal in Mitten einer Horde schmatzender Büffel.

Kwai

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Das mit der mangelnden Vorsicht kann ich bestens nachvollziehen: Auf meiner geradezu fieberhaften Motivjagd während der Texas-Reise an den Rio Grande habe ich mich mal vom zementierten Trampelpfad abseits Richtung Flußbiegung gewagt (in einer Höhe von ca. 150m an der Stelle) und bin prompt ein bißchen ins Rutschen geraten. Woraufhin Jim, unser Tourguide lakonisch antwortete: "Better to stay on the path - we don't want to lose you, buddy" - hihi!

Mein lieber Schwan - nun hast Du schon erfolgreiche eine drohende Hai-Attacke ausge"sessen" und einem Tiger an die private parts (na ja, fast... ;-)) gefaßt! Meine Kehrseite ist hingegen wesentlich gefährlicher als die des Tigers... jedenfalls nach Genuß unverträglicher Nahrungsmittel LOL ;-)

Klasse Bilder und Geschichten - vielen Dank für's fleissige Berichten!

Wolfram hat gesagt…

Haaaaaa, Wern. Ja, das stimmt, bei manchen Lebewesen droht auch vom Hintereingang Gefahr!