Freitag, 15. Januar 2010

Ruhetag am Fluß

Guesthouses

Ich kann stundenlang an einem See oder dem Meer sitzen und ins Wasser schauen, ohne dass mir dabei auch nur eine Sekunde lang langweilig würde. Eigentlich wollte ich heute schon weiter ziehen, in eine andere Stadt, aber nach dem Aufstehen fiel mir ein, dass ich mein Guesthouse noch gar nicht richtig genutzt habe. Ich habe mich auf meinen Reiseführer verlassen und voll ins Schwarze getroffen. Jedes Zimmer hat einen kleinen Privatgarten, nicht größer als 3 Quadratmeter, voll mit tropischen Pflanzen und das Zimmer selbst hat eine Empore aus Teakholz, auf dem, so wie in Thailand üblich, die Matratze liegt. Ein schönes, geräumiges Bad mit einem Zugang zum Garten kompletiert das ganze.

My room

Das Frühstück wird auf einer Terrasse angeboten, von der man Blick auf den Fluß und das Leben darauf hat. Ab uns zu fährt eines der typischen Longtailboote vorbei, dann herrscht wieder Ruhe.
Über der Frühstücksterrasse befindet sich eine weitere Terrasse der gleichen Größe, auf der man evenfalls eine Teakholzempore errichtet hat, nur ist diese mit Segeltuch überdacht und auf der Empore liegen die typisch thailändischen Baumwollpolster mit dem dreieckigen Rückenteil, auf denen man wunderbar entspannen kann. Hier möchte ich den Großteil meines Tages verbringen und mein erstes Buch auslesen um es am Abend dem nahegelegenen Secondhand-Buchladen zu überlassen.

Etwas mehr als 5 Stunden liege ich über dem Fluß, lese und döse. Aber irgendwann stellt sich dann der Hunger ein. Da ich auch dem Stadtzentrum Kanchanaburis noch keinen Besuch abgestattet habe, gehe ich nach einer kleinen Stärkung, weiter in Richtung Zentrum. Auf meinem Weg komme ich an einem Soldatenfriedhof für die, beim Eisenbahnbau verstorbenen, englischen Soldaten, mit einem angeschlossenen Museum, vorbei.
Zuerst gehe ich über den Friedhof und schaue mir die Grabsteine an, auf denen neben dem Namen, dem Rang und der Einheit, in der der Soldat diente, auch das Alter der Gefallenen angegeben sind. Der jüngste war gerade einmal 18 Jahre alt, als er durch Entkräftung oder an Malaria oder Typhus, fern von seiner Familie und allem was er kannte, starb. Heute wäre er 85 und hätte noch gute Chancen am Leben zu sein und auf ein Leben zurückzublicken.

Das Museum ist kein fröhlicher Ort. Neben der Planung der Eisenbahnlinie wird besonders das Schicksal der Arbeitskräfte dokumentiert. Es gibt Nachbildungen von Feldlazaretten und den Güterwagen, in denen die Gefangenen aus allen Himmelsrichtungen herangeschafft wurden, alte Fotos, Briefe, die die Soldaten nach Hause schicken durften und die aus einem vorgefertigten Text, mit Stellen zum Ankreuzen, bestanden. Ein Beispiel: Dear ...! My health contition is good, standard, poor. I work for pay / I get a monthly salary, usw. Nicht zutreffendes musste gestrichen werden und Lücken durften handschriftlich ausgefüllt werden. Persönliche Bemerkungen waren nicht erlaubt. Nur an einer Stelle hieß es "send my regards to ....." und in die Lücke durften die Namen von lieben Personen eingetragen werden.
Ähnlich gründlich wie die Deutschen, haben auch die Japaner dokumentiert, wie wenig Nahrung einem Gefangenen zusteht und welche Strafen er für welches Fehlverhalten zu erdulden hatte.
Auf einer der Schrifttalfeln im Museum wird darauf hingewiesen, dass kein Land der Welt seine besten Truppen für die Bewachung Gefangener abstellt und sich daraus, zumindest teilweise, die extreme Härte erklärt, mit der man die Menschen hier behandelt hat.

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Dein Ruhetag klingt aus meiner Sicht geradezu paradiesisch! Das Museum klingt in der Tat nicht nach gute-Laune-Touri-Programm, fürwahr. Umso beeindruckender mal wieder zu lesen, was Du alles weißt oder in Erfahrung bringst!

Ich gebe mir hier gerade eine Reihe von Vorträgen in der Starnberger Schloßberghalle mit dem Titel "Die Schöpfung". Es geht um die derzeit - vorwiegend in USA geführte - Debatte, ob die Evolutionstheorie oder die Bibel recht hat. Für Überraschungen sorgt die Tatsache, dass ein deutschstämmiger und -sprechender Forscher, der in Südafrika arbeitet, für einen kurzweiligen und bestens nachvollziehbaren Vortrag der Forschungsergebnisse aus vorwiegend Geologie und Astrophysik sorgt, während die Bilder von einem Profi-Fotografen bereitsgestellt wurden. Wenn Du mal schauen willst: www.dieschoepfung.eu

Also dann - viel Spaß weiterhin und bin auf die Inselgruppe gespannt! Hihi! ;-)

Wolfram hat gesagt…

Who are you Domonique? Are you Mi Lao Sho? Haaaa!

Wolfram hat gesagt…

Oh Wern, hört sich gut an. Werde mal vorbeischauen. Danke für den Tipp.

Charles hat gesagt…

Danke fuer die neuen Berichte - send more.
Ich grinse aber auch ueber die beitraege hier, erst die renovation ueber Gott und Schoepfung und dann Domoniques link.
Ich verstehe ihre Sprache nicht, aber bist Du unter umstaenden gespaemt worden oder wie auch immer man das nennt?
Gute Unterhaltung - stay safe & why don't you take one of those cute monkey's home as a pet?

Wolfram hat gesagt…

Ja, Charles, sieht ganz so aus, als wäre ich Opfer eines Spammers geworden. Ich habe auch einige chinesiche Freunde und dachte erst, einer von denen hätte sich hinter dem Pseudonym versteckt.
Freut mich, wenn mein Blog dir gefällt. Morgen gehts ab an die Küste :)