Mittwoch, 13. Januar 2010

"Death Railway Bridge"

Der Mae Nam Kwae Yai fließt gemächlich durch sein Bett, kein reißender Bach, sondern ein ruhiger Strom, der seine Ruhe auch auf die Menschen überträgt, die an seinen Ufern wohnen. Eilig hat es hier niemand. Ich laufe am Fluß entlang und beobachte die Anwohner bei ihrer Arbeit: eine Frau wäscht im Fluß ihre Wäsche, ein Fischer rudert mit seinem Fang nach Hause, ein paar Handwerker zimmern an irgendetwas im Freien herum. Und doch laufe ich an einer echten Berühmtheit entlang, nur kennt man ihn im Westen unter einem anderen Namen. "Die Brücke über den Kwai" hieß der Spielfilm, der von den Strapazen, Mißhandlungen und Entbehrungen der Kriegsgefangenen handelt, die diese Brücke bauen mussten.
Zwar heiß Kwai auf Thai "Wasserbüffel" und Thais belustigt es, wenn man ihren Fluß so nennt, aber der Film hat den Namen, zusammen mit seiner Filmmusik, die später noch einmal für einen Werbespot ("Komm' doch mit auf den Underberg") herhalten musste, in unser aller Gedächtnis gebrannt.

Fisherman

Die Brücke, für die Touristen auch reißerisch "Death Railway Bridge" genannt, war jedoch nur ein winziger Abschnitt eines gigantischen Vorhabens. Die japanischen Besatzer wollten, während des zweiten Weltkrieges, Thailand und Burma mit einer Bahnlinie verbinden, um von Burma aus noch besser in andere Länder im Westen Asiens einfallen zu können. Die Ingenieure veranschlagten eine Bauzeit von 5 Jahren, die Japaner zwangen die Kriegsgefangenen, unter Androhung und Vollstreckung drakonischer Strafen, die Strecke in nicht einmal 1 1/2 Jahren fertig zu stellen, obwohl weder schweres Gerät noch adäquates Werkzeug zur Verfügung standen. Mehr als 100000 Menschen verloren dabei ihr Leben.
Und da Japaner wissen, wie man ein solches Ereignis gebührend feiert, wurde die Strecke mit einem Bordellzug eingeweiht. Ob die Herren Offiziere dabei die, zweifelsfrei grandiose, Aussicht genießen konnten, darf stark bezweifelt werden.

Famous bridge

Als Ironie des Schicksals kann man es bezeichnen, dass die Brücke bereits 20 Monate nach ihrer Fertigstellung von den Alliierten zerbombt wurde und die Schienen den Japanern nicht mehr für den Nachschub, sondern nun als Fluchtweg dienten. Nach dem Kriegsende wurde die Strecke unter britische Herrschaft gestellt und diese zerstörten dann auch noch die letzten 4 Kilometer vor dem Drei Pagoden Pass, an der Grenze zwischen Burma und Thailand, aus Angst vor burmesischen Separatisten. Schließlich fielen dann noch weitere 40 Kilometer der Bahnlinie dem Stausee Khao Laem zum Opfer. Heute ist nur noch ein kleiner Teil, etwa 130 Kilometer, der Strecke befahrbar.
Die berühmte Brücke über den Kwae steht heute wieder, nur ist ihr Nachfolger nicht mehr aus Holz, wie das Original, sondern aus Stahl. Ihre Attraktivität bei den Touristen bereitet das allerdings keinen Abbruch. Rings um die Brücke herum ist ein großer Jahrmarkt mit dem üblichen Touristensouvenirkitsch entstanden und Horden von Menschen belagern die Brücke. Wenn sich ein Zug nähert, was nur etwa drei Mal am Tag vorkommt, werden die auf der Brücke befindlichen Menschen per Trillerpfeife gewarnt und diese quetschen sich dann in die Ausweichbuchten über den Brückenpfeilern, damit der Zug an ihnen vorbeikriechen kann.

Nun ist diese Eisenbahnbrücke jedoch bei weitem nicht die einzige Attraktion des Städtchens Kanchanaburi. Grüne Berge, dichter Dschungel, Wasserfälle und Tropfsteinhöhlen befinden sich quasi direkt vor der Haustür, im Nationalpark Erawan, der zum Wandern, Tiere beobachten und Natur genießen einläd. Außerdem befindet sich ganz in der Nähe ein Kloster, dessen Mönche weltweites Aufsehen erregt haben, dazu aber morgen mehr.

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Wow - was man auf Deinem Blog alles lernen kann. Auch die - für mich unpassend wirkende - Verwendung für den Underberg-Spot war mir bis dato unbekannt. Na dann - auf zur nächsten Lektion "Lernen für's Leben mit Wolfram" :-) ("Denn nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt ihr." Originalton... na, wer? Genau, Hr. Huber, Bio. Auch so 'ne Art Tropfsteinhöhle mit seinem permanenten Speichelfädchen an den Lippen... LOL)

renovatio hat gesagt…

P.S.: "... AUF mich unpassend wirkende" sollte es heißen. Und gemeint sind natürlich die reichlich unsensiblen Marketing-Fuzzies dieser Werbung.

Wolfram hat gesagt…

Ja, schon klar, Wern. Und jetzt setzt Euch! Ich habe gesagt setzt Euch, nicht schwätzt Euch!
Haaaaaaa, die dummen Sprüche werde ich nie mehr vergessen!

renovatio hat gesagt…

Das haben sie nun von ihrer sogenannten Autorität: Den ganzen Mist, den sie verzapft haben, haben wir uns gemerkt. Die wirklich wichtigen Dinge sind hinter solchen "Stilblüten" verblasst... und werden nun im fortgeschrittenen Alter nachgeholt. Na ja, wenigstens bei Dir.