Mittwoch, 4. Januar 2012

Der Pizzaindikator



Einquartiert habe ich mich, wie schon beim letzten Mal, im Stadtteil Palermo, derzeit das angesagteste Viertel der Stadt. Was Rang und Namen hat in der Welt der Mode und des guten Geschmacks hat hier ein Geschäft. Die Preise für Wohnungen sind denen in München nicht unähnlich, wie sich in den Auslagen der Makler zeigt. Noch vor vier Jahren hätte man hier eine kleine Wohnung für um die 50.000 Euro erwerben können, jetzt ist dafür mindestens das doppelte zu entrichten. Die Preise für Mietobjekte sind in den Exposés der Wohnungsvermittler in Pesos, die für Kaufobjekte in US$ angeschrieben. Ihrer eigenen Währung trauen die Argentinier seit dem großen Crash im Jahr 2001 offensichtlich nicht mehr.

Ich war gespannt, wie sich die Preise in den Jahren des Aufschwungs, den das Land hinter sich hat, entwickelt haben. Einige Preise haben sich überhaupt nicht verändert, wie zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr. Für eine Fahrt mit der Metro werden 1,10 Pesos verlangt, das sind 19 Cent. Ein Abendessen kostet nun jedoch das doppelte und somit ungefähr soviel, wie bei uns.
Ein Indikator für die Wirtschaftsleistung ist, wie mein Reiseführer zu berichten weiß, der Preis von Ugi‘s großer Mozzarella Steinofenpizza. Der ist für jeden sichtbar im Fenster des Lokals angeschrieben und ändert sich fast wöchentlich. Im Jahr 2001, als ich das erste Mal in Buenos Aires war und der Peso noch 1:1 zum Dollar umgerechnet wurde, kostete sie 2,19 und der Preis fiel sogar noch auf 1,79. Vor oder nach Wahlen schwankte der Preis, je nach Prognosen und späterem Gewinner. Heute sind dafür 19 Pesos fällig, Tendenz steigend.

Die Zeiten in denen man nur Touristen in den Lokalen und Cafés gesehen hat sind vorbei. Die Porteños, wie sich die Bewohner der Stadt nennen, haben sich Buenos Aires zurückerobert. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, der Tourismus, vor allem aus dem benachbarten Brasilien und Europa, boomt, dem Land geht es wieder gut.

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Schade, dass die Immobilienpreise dort auch so gestiegen sind. Sonst wäre das doch genau die richtige Lage für Anlageobjekte - bei dem Lebensstandard!

Wolfram hat gesagt…

Ich war ja vor vier Jahren schon mal bei einem Makler hier. Die hatte 'ne tolle Wohnung in Palermo, 56qm für 50000 €. Das Problem ist, dass das am Ende der Welt ist und man mindestens 18 Stunden unterwegs ist um herzukommen.

renovatio hat gesagt…

18 Stunden "Puffer" für Überraschungsbesuche - das ist doch eher ein weiterer Vorteil, denn Nachteil ;)