Sonntag, 16. Januar 2011

Kein Land für Weicheier



Zuerst denke ich, ich sehe eine Fatamorgana, aber auch beim zweiten Hinschauen ist sie noch da. In einiger Entfernung sehe ich eine Kamelkarawane durch den Sand ziehen.

Kamele wurde von einem Forschungsreisenden nach Australien eingeführt, aber selbst die hartgesottenen Wüstenschiffe mussten sich den klimatischen Bedingungen der australischen Wüste geschlagen geben. Sobald sie sich Verletzungen zuzogen legten Fliegen ihre Eier in den Wunden ab, in denen sich alsbald Larven tummelten. Die Wunden infizierten sich und die Kamele verendeten qualvoll. Der Rest der Tiere wurde einfach freigelassen und besiedelt noch heute einen etwas lebensfreundlicheren Teil der Wüste.

Von der Wüste bin ich heute jedoch weit entfernt. Vielmehr habe ich heute das „Woromi Conservation Land“ besucht. Ein Landstrich, der den Aborigines, die hier seit mindestens 4000 Jahren leben, erst 2001 zurückgegeben wurde. Hier befinden sich die größten Wanderdünen der südlichen Hemisphäre. Sie erstrecken sich 35 Kilometer an der Küste entlang, bis Nelson Bay. Für die Aborigines heiliges Land, für die Touristen ein großer Spielplatz, mit allerlei Vergnügungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Kamelreiten, Quadfahren oder Sandboarding.
Man kann aber auch in den Dünen umherwandern und sie so auf sich wirken lassen.



Es ist mühsam in dem weichen Sand zu laufen. Nach einiger Zeit finde ich heraus, dass es am besten geht, wenn man die Fußsohlen immer plan aufsetzt. Außerdem kann man leicht die Orientierung verlieren, wenn man in einem Dünental ist und den Ozean nicht mehr sieht.

In Sydney habe ich mir einen Boomerang gekauft. Keinen dieser bemalten Touristenandenken, sondern einen Jagdtboomerang, der, wenn man ihn richtig wirft, tatsächlich auch zum Werfer zurückkommt. Dazu braucht man allerdings viel Platz um sich herum, hier ist also das ideale Revier um meine ersten Würfe auszuprobieren. Er fliegt weit und manchmal beschreibt er auch eine Kurve, aber bis er zu mir zurückkehrt, muss ich wohl noch ein wenig üben.

Nach einigen schweißtreibenden Versuchen setzte ich meine Wanderung fort. Ich möchte auf den höchsten Punkt der Düne, um mir einen Überblick über die Landschaft und ihre Größe zu verschaffen. Von Weitem sehe ich, dass der Gipfel schon von einer kleinen Gruppe anderer besetzt ist. Als ich ankomme werde ich herzlich begrüßt, mir werden kalte Getränke und Früchte angeboten und ich werde gefragt, ob ich das Sandboarden mal ausprobieren möchte.



Ich komme mit den jungen Frauen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass sie Profifussballerinnen sind, die in der amerikanischen Profiliga spielen und hier ihre Winterpause verbringen. Eine erzählt mir, dass sie im Sommer nach Deutschland kommen möchten um sich ein paar Spiele der Fußballweltmeisterschaft der Frauen anzuschauen, die bei uns stattfindet. Ich gebe ihnen meine Adresse, für den Fall, dass sie nach München kommen und verabschiede mich. Ich möchte mich noch im Meer abkühlen, bevor ich wieder zurückfahre.

Und was für eine Abkühlung das ist. Das Meer hat nur 16°C, aber der einzige den das zu stören scheint‚ bin ich. Kinder und Erwachsene rennen gleichermaßen in die Wellen, ohne sich auch nur kurz an das kalte Wasser zu gewöhnen.
Australien ist halt kein Land für Weicheier.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

. Hallo, sprachmächtiger Weltenbummler! Wir sind ja ganz erschlagen von der Fülle neuer Eindrücke, die Du erlebst und schilderstUnd auch die Fotografien sind oft umwerfend, beispielsweise die "Figürchen", die wohl einen Brückenpfeiler - wie einen highway to heaven erklimmen, und nicht weniger das Filmchen mit dem Stacheltier. Vieles, was wir da erfahren, spricht für ein relativ reiches Land, so auch die wahrhaft futuristische Architektur. <man denke nur an die Ödnis , die auf BErliner Brachen - wenn auch bestimmt nicht nur aus Geldmangel -entstanden ist.- Erstaunlich finde ich auch, daß man auf solchen Hobliteninstrumenten spielen kann, wie Du in den "fliegenden Hunden" beschreibst. Partout nicht glauben will Peter aber die Leistung des REttungsschwimmers: ist das kein Versehen? 600 in einem Monat?- Jeweils zu den Jahresanfängen sind wir internetsüchtig- ich hoffe, die Zusammenfassung unserer Eindrücke war Dir nicht zu episch Wir freuen uns auf mehr! Herzlich, Fuddl und Peter. P.S. Eure SChulanekdoten sind wohl unerschöpflich - und köstlich!

Wolfram hat gesagt…

Ich werde nochmal nachlesen und Peter, den Ungläubigen, meine Meldung verifizieren. Den Artikel habe ich noch. Ich hatte aber genau den gleichen Gedanken wie er.
Freut mich, dass Euch meine Schilderungen gefallen. Heute war Strandtag und deswegen mal etwas weniger.
Nächste Woche fliege ich nach Tasmanien, darauf freue ich mich schon.
Bis bald zum persönlichen Gespräch :)

Wolfram hat gesagt…

Ich hab' nochmal nachgelesen. Es waren 100 Schwimmer in einer Woche und nicht 600 in einem Monat.
Der Artikel erschien im Sydney Herald.
Wird natürlich sofort korrigiert. Ich danke für den Hinweis!