Sonntag, 18. Januar 2009

Big Mango

"City of Angels, Land of Smile", so gibt eine thailändische Freundin spaßhaft ihre Adresse stets an. Die Stadt, die wir im Westen nur als Bangkok kennen heißt nämlich gar nicht so. Bangkok ist eigentlich der Ort, der hier früher einmal stand und richtig Bang Makok, Ort der Oliven, hieß. Die Thais nennen ihre Stadt Krung Thep, die Stadt der Engel, was aber auch nur eine Abkürzung ist. Mit vollem Namen heißt sie: Große Stadt der Engel, Heimstatt des Smaragdbuddhas, uneinnehmbares Land, großes herausragendes Königreich, herrliche königliche Hauptstadt, geschmückt mit den heiligen neun Edelsteinen, erster königlicher Wohnsitz und großer Palast, göttlicher Hort und Domizil der wiedergeborenen Seelen". Braucht man noch einen Beweis dafür, dass die Thais ihre Hauptstadt lieben? Keine Stadt der Welt hat einen längeren Namen und alle Schulkinder in Thailand müssen diesen Namen auswendig lernen. Mein Mitgefühl ist ihnen sicher!
In Anlehnung an die Bezeichnung New Yorks als "Big Apple", bezeichnen die Bewohner ihre Stadt auch als "Big Mango". Das gefällt mir, weil es so gut passt. Genau wie eine Mango ist Bangkok topisch, süß, ein wenig klebrig, duftend, knallig und feucht. Und genau so wie wenn man in eine frische Mango beißt fühlt man sich, wenn man in diese Stadt eintaucht.

Allways in a rush

Die Gier nach Leben und Vergnügen kann man an jeder Straßenecke hautnah erleben. Der wilde Puls, der diese Stadt antreibt beruhigt sich nie. Wenn die Kaufhäuser spät abends schließen, eröffnen die Nachtmärkte auf denen man so ziemlich alles findet, was man braucht, vor allem aber was man nicht braucht. Wenn in den Restaurants die Stühle auf die Tische gestellt werden, stellt man sie an den Garküchen gerade auf die Straße. Eine Massage gegen Verspannungen nach Mitternacht zu bekommen ist genau so möglich wie käufliche Liebe rund um die Uhr.
Während bei uns im Westen Werbetafeln stumm auf einen herabblicken und darum bitten wahrgenommen zu werden, schreien einen hier Videoleinwände überall an: von Kaufhäusern herunter, an den Haltestellen des Skytrains und sogar in den Zügen wird man mit Kaufentscheidungshilfen bombardiert.
Jeder hat immer und überall sein Mobiltelefon dabei und am Ohr. Ich habe sogar einen frommen Mann in einem Tempel betend das Heiligtum umrunden und gleichzeitig telefonieren sehen. Bloß nichts verpassen, überall dabei sein und an allem teilnehmen wollen ist das Credo der Menschen hier.
Der Rhytmus macht schwindlig und reißt mit und bald merkt man, dass man mit dem Virus Lebensgier angesteckt ist.

Im krassen Gegensatz zu der Geschwindigkeit und dem lauten und bunten Gebaren der Stadt, steht die Sprache der Thais. Ich höre sie gerne, ohne auch nur ein einziges Wort davon zu verstehen. Von Vokalen dominiert, in gleichmäßigem Rhythmus und ohne Schärfe gesprochen, bezeichne ich sie gerne als Massage fürs Trommelfell.

Für mich gibt es wenig Sinnlicheres als gutes Essen und folgerichtig gehört Essen auch zu den Lieblingsbeschäftigungen der Thais. Statt einem "guten Morgen" als ersten Gruß des Tages wird man hier "Was hattest Du zum Frühstück?" gefragt. Essen ist omnipräsent. Nur selten muss man weiter als bis zur nächsten Straßenecke laufen um einen Stand mit köstlichem Essen zu finden: gebratener Reis, Currys in den verschiedensten Formen und Farben, mit Huhn, Schwein oder Krabben, Süßspeisen und frische Früchte. Ich habe kürzlich auf einem der Nachtmärkte eine Schale gebratene Nudeln mit Gemüse (50 Cent), drei Spießchen mit gegrilltem Huhn (25 Cent) und zum Nachtisch ein paar Stückchen Annanas (25 Cent) gegessen und hatte ein schmackhaftes und vollwertiges Abendessen für genau einen Euro. Noch nie habe ich so oft gegessen ohne eigentlich Hunger zu haben - die Versuchung ist einfach zu groß.

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Klingt haargenau so, als müsse ich Thailand im allgemeinen und Bangkok im Besonderen unbedingt noch mal meine Aufwartung gemacht haben, bevor ich abdanke: Klingt alles genau nach mir!! Unbedingte Lebensgier: Wenn ich sterbe, dann will ich vor Erschöpfung darüber sterben, dem Leben das allerletzte kleinste bißchen an Lebensfreude und - saft ausgepresst zu haben und soviel wie möglich "mitgenommen" zu haben, wie geht. Und Essen als Lustgewinn - auch mein Ding. Dazu bunte Lichter und käufliche Liebe - ich geb's zu: Am Ende des Tages bin ich vermutlich ein reichlich schlichtes Gemüt! ;)

Lass krachen, ich wünschte, wir könnten das zusammen erleben. Beim große Portionen verdrücken werde ich Dich übrigens demnächst herausfordern könnnen ;-)

Wolfram hat gesagt…

Keep on dreaming, mein Lieber. Ich bin der unangefochtene König der XXL Portionen. Nicht, dass man darauf stolz sein müsste, ist aber trotzdem so :)

Wenn es um unsere sinnlichen Genüsse geht, sind wir, glaube ich, alle schlichte Gemüter, eben genau deswegen, weil sie keiner intelektuellen Schulung bedürfen (von gutem Wein einmal abgesehen und das ist bei den meisten Menschen ja auch nur Show).

renovatio hat gesagt…

Lass mich halt träumen, Mr. XXL ;-)

Wolfram hat gesagt…

Du gehst ja jetzt erstmal ins "Traininglager für Übergewichtige". Und nicht vergessen: Immer Supersize bestellen!
Wann genau geht's eigentlich los bei Dir?

renovatio hat gesagt…

Das weiß ich morgen genauer, wenn das Rail & Fly-Ticket da ist. Ich schätze, ich werde hier irgendwann Sonntag um Mitternacht aufbrechen (müssen), da Abflug in Frankfurt am Montag um 10.30h ist. Transfer vom Bahnhof zum Flughafen, check-in einplanen usw. Vielleicht geht's sogar schon Samstag spät abends los.