Sonntag, 1. April 2007

Ein Wochenende in San Francisco

Ich muss etwa 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein, als mir die Stadt in der Krimiserie "Die Straßen von San Francisco" mit dem jugendlichen Michael Douglas und Carl Malden in den Hauptrollen, zum ersten Mal "begegnete". Die Lage am Meer, die hügeligen Straßen, die damals schon antik anmutenden Cable Cars und Kalifornien, damals der Teenagertraum von einem unerreichbar fernen Land, in dem immer die Sonne scheint und es niemals schneit, haben mich seither in ihren Bann gezogen.
Driving home
Später, es war der Sommer 1992, machte ich mit meinem Bruder eine Reise mit einem Mustang Cabriolet, ein zur Realität gewordenes Roadmovie, durch Kalifornien und kam dabei zum ersten Mal nach San Francisco. Ich erinnere mich noch genau, wie wir, mit offenem Verdeck, über die Golden Gate Brücke in die Stadt fuhren und wie mein Bruder, der San Francisco schon von einigen Layovern her kannte, mir die Highlights zeigte. Noch heute, immer wenn ich hier bin, erinnere ich mich daran, wie wir gemeinsam die berühmten Serpentinen der Lombard Street herunterfuhren, durch Fisherman's Wharf schlenderten und mit der Straßenbahn die Stadt erkundeten.

Es sind gut 2 Jahre her, seit ich zum letzen Mal hier war und so beschließe ich in der Stadt zu bleiben und ein bisschen durch die Straßen zu schlendern.
Bald finde ich mich in Chinatown, dem bekannten chinesischen Stadtteil, wieder. War man gerade noch in Amerika und ging an den typischen, schmucken, kleinen Apartmenthäusern vorbei, wähnt man sich nun in einer anderen Welt. Die Geschäfte bieten ein breites Spektrum chinesischer Waren an. Neben feinster Jade für mehrere tausend Dollar, wird billige Massenware aus dem Reich der Mitte feilgeboten. Auf den Straßen sieht man alte Chinesen, die gebeugt an einem Stock gehend, die steilen Straßen erklimmen, neben Touristen. Restaurants bieten Schweinefleisch süß-sauer und andere chinesische Spezialitäten an. Die Gerüche erinnern an Shanghai.
Entstanden ist Chinatown zur Zeit des Kalifornischen "Gold Rush", als große Goldfunde tausende von Desperados nach Westen lockten auf der Suche nach dem schnellen Glück. Es wurden Eisenbahnlinien gebaut, die den Westen mit dem Rest des Landes verbanden. Dazu brauchte man billige Arbeitskräfte und die kamen aus China. Gedemütigt, misshandelt, ghettoisiert und eingeschüchtert träumten sie damals von einer Rückkehr in ihre Heimat als wohlhabende Leute. San Francisco, damals nicht die schicke reiche Küstenstadt von heute, sondern ein Dreckloch aus Bretterbuden und unbefestigten, schlammigen Straßen, sollte ihre Heimat werden.
Obwohl die Nachfahren der Eisenbahnarbeiter längst amerikanische Staatsbürger geworden sind und die meisten es zu Wohlstand gebracht haben, sind sie in erster Linie immer noch Chinesen. Davon zeugen chinesische und taiwanesische Flaggen, die überall einträchtig und stolz auf den Dächern wehen.
Coit Tower
Von Chinatown gehe ich weiter an der Transamerica Pyramid vorbei in Richtung Coit Tower, einem Aussichtsturm, hübsch auf einem der Hügel, dem Telegraph Hill, gelegen, von dem man die ganze Stadt überblicken kann. Auf der Grünfläche davor beobachte ich eine Gruppe junger Leute, bei ihren waghalsigen Capoeira Übungen, bevor ich den Aufzug auf die Turmspitze nehme.
Capoeira
Das Wetter ist herrlich, nicht ein Wölkchen trübt den Himmel und überall versprühen Blüten ihren süßlichen Duft. Es riecht nach Sommer!
Der Ausblick ist wirklich spektakulär! Von hier oben kann man die gesamte Buch überblicken, sieht die Hochhäuser von Downtown, die Golden Gate Brücke auf der einen und die Bay Bridge auf der anderen Seite, die Gefängnisinsel Alcatraz und Sausalito auf der anderen Seite der Bucht.
Ich verweile ein wenig, genieße die Aussicht und setzte meinen Spaziergang fort, der mich noch bis zu der, etwa 10 Kilometer entfernten, Golden Gate Brücke bringen soll.

Mein nächstes Ziel ist Fisherman's Wharf, ein Vergnügungspark für Touristen, der im ehemaligen Hafen auf die alten Piers gebaut wurde. Hunderte von Geschäften, Restaurants, ein Aquarium und Ausflugsboote ziehen täglich tausende von Touristen an. Ich lasse mich von der Menge treiben, kaufe mir einen kleinen Snack und beobachte bei dessen Verzehr die Menschen.
Ein Besuch von Fisherman's Wharf wäre nicht komplett, wenn man nicht noch einen Abstecher zu den Seelöwen gemacht hätte, die sich in Mitten des Touristenrummels, auf, eigens für sie im Wasser installierten, Plattformen sonnen und die ihnen entgegengebrachte Aufmerksamkeit sichtlich genießen.

Nun gehe ich immer an der Küste entlang in Richtung Golden Gate, der Stelle, die die Bucht vom offenen Pazifik trennt. Es ist Samstag und überall sind Menschen, die ihren Wochenendvergnügungen nachgehen. Auf einer Wiese findet ein Fußballturnier kleiner Mädchen statt, die von ihren stolzen Eltern angefeuert werden, ein wenig weiter werden Lenkdrachen von wahren Meistern ihres Faches steigen gelassen, die in der Luft die unglaublichsten Manöver vollführen und wieder ein Stück weiter kann man Kite- und Windsurfer beobachten, die von dem starken Wind, in atemberaubender Geschwindigkeit, über das Wasser gepeitscht werden.
Flying
Als ich am Fuß der Golden Gate Brücke angekommen bin, bin ich müde und vom Seewind ausgekühlt. Ich sitze noch ein paar Minuten am Wasser beobachte von unten den Verkehr auf der Brücke und versetzte mich in meinen Gedanken in die Zeit ihrer Entstehung zurück, in der man noch alle Grenzen für überschreitbar hielt.

Kommentare:

fartmeal hat gesagt…

Eine ganz schöne Mammut-Tour hast Du da hingelegt! Ich erinner mich noch gut, als ich während meiner Hochzeitsreise mit Andrea durch die Strassen wanderte, dabei einige der "landmarks" sah, die Du hier beschreibst. Und ich bin auch der festen Überzeugung, in der Fisherman's Wharf Nicolas Cage begegnet zu sein, was Andrea vehement bestritt, obwohl sie dabei war. Frauen... ;-)
Vancouver erinnert mich auch immer wieder stark an San Francisco, architektonisch sowie vom Flair her. Ähnliche, viktorianische Häuschen, hügelige Strassen, Meer, Berge, Hängebrücken usw. Ich werde jetzt auch nochmal zum Public Market auf Granville Island runterfahren und dann zu Fuß weitergehen, mich von der Menge forttragen lassen, vielleicht ebenfalls irgendwo auf Fish 'n Chips haltmachen, ein paar Schnappschüsse auf Karte bannen und meinen Gedanken an Vergangenheit, Gegenwart u. Zukunft nachhängen, die hier gewonnenen Eindrücke, Erfahrungen, Begegnungen verarbeiten und mich mental auf die nächste Etappe, den Grand Canyon, Hoover Dam und Lake Mead vorbereiten. Reisen ist schon 'was tolles, obwohl ich mich manchmal von der Masse an Eindrücken etwas überfordert fühle.
See you auf meinem Blog, dann :-)

Wolfram hat gesagt…

Ja, ist schon wahr, SFO und Vancouver haben einiges gemein, inklusive der chinesichen Gemeinde.

Ob sich Nicolas Cage wohl nach Fisherman's Wharf traut? Na ja, gut verkleidet vielleicht, der will ja auch mal seinen Spaß haben.

Ich behaupte ich habe mal Mickey Rourke in LA in einem Supermarkt gesehen, mit so einem schwulen Schoßhündchen auf dem Arm. Passt irgendwie nicht zu ihm, deswegen bin ich mir auch nicht sicher.