Dienstag, 9. Juni 2009

Delfine

Dolphins

Das kleine gelbe Schlauchboot hat schon fast den Strand erreicht um die ersten Mitreisenden dort abzusetzen, als irgendwer aus der Gruppe den ersten Delfin sieht. Vor zwei kleinen Fischerbooten springt er aus dem Wasser. Vergeblich versuche ich ihn auszumachen, als einer aus der Crew noch einen sieht und dann noch einen. Unser Kapitän vermutet eine ganze Schule und ruft das Schlauboot zurück zum Boot, damit wir an den Ort des Geschehens fahren können.
Schnell nehmen wir Fahrt auf, eine leicht Brise bringt Abkühlung, setzt sich unter unsere T-shirts und bläst sie auf. Schon bald sehen wir die Bewegung im Wasser vor uns. Hunderte von grauen Rücken tauchen rhythmisch aus dem Wasser auf, vor uns, hinter uns und neben uns hören wir hudertfach das Atemgeräusch der Meeressäuger. Der Alptraum eines jeden Fisches ist hier für einen Schwarm zur Realität geworden. Gleich dreihundert der intelligenten und schnellen Raubtiere sind hinter ihnen her, ihre Überlebenschancen gehen gegen Null.
Was für die einen ein Kampf um Leben und Tod ist, ist für uns ein unglaubliches Naturschauspiel. Schnell hole ich meine Kamera aus meinem Rucksack und halte einfach drauf. Zeit mir Gedanken um Bildkomposition, Licht oder Perspektive zu machen bleibt mir nicht. Ich habe angst etwas zu verpassen und weiß nicht wo ich die besten Fotos machen kann. Vor uns, hinter uns? Ich stelle meine Kamera auf "Dauerfeuer" und drücke den Auslöser. Wie ein Maschinengewehr löst sie aus und macht Foto um Foto, bis meine Speicherkarte voll ist. Annähernd 250 Fotos habe ich von den Tieren geschossen. Ob etwas Brauchbares dabei ist, kann ich erst zu Hause am Computermonitor sehen. Jetzt erst habe ich die Muße, das Schauspiel zu genießen.
Ich sehe Jungtiere, Erwachsene und sogar einen Albino in der Gruppe.

Dolphins

Für unseren Kapitän ist eine Schule von Delfinen keine Besonderheit. Manchmal, so erzählt er, schwimmen die Tiere ganz nah ans Boot und legen sich dann auf die Seite um zu sehen, was auf dem Boot vor sich geht, oder sie springen aus dem Wasser und drehen sich dabei um ihre eigene Achse. Einfach nur aus purer Lebensfreude.
Ab und zu, erklärt er weiter, bekäme der Schoner auch Besuch von größeren Walen, die es auf die Fische abgesehen haben, die das Boot ständig unter dem Bootsrumpf begleiten und so vor Angriffen von Möven aus der Luft sicher sind.

Diesmal sind die Delfine hungrig und in Jagdtlaune und haben keine Lust zu spielen. Es dauert Minuten bis die letzten Tiere unser Boot passiert haben und unser wir Kurs auf den Heimathafen nehmen.

Mein Begleiter auf diesem Ausflug ist mein Kollege Hans-Jörg Remde, mit dem mich eine fast zwanzig Jahre lange Freundschaft verbindet. Oft waren wir gemeinsam unterwegs, haben viel zusammen erlebt und oft sehen wir uns auch privat. Zusammen haben wir uns diesen Flug gewünscht, denn beide waren wir schon alleine auf der Insel "Ilha Bela", der schönen Insel, und nun wollten wir zurückkommen um den Bootsausflug zu machen, der sich gerade dem Ende nähert.

3 1/2 Stunden Busfahrt und eine 20 minütige Fährfahrt trennen den lauten, grauen 25 Millionen-Molloch Sao Paulo von dieser paradiesichen, grünen Insel. Noch am Ankunftstag setzten wir uns in Bewegung, die durchwachte Nach und den Jetlag im Gepäck. Unser Ziel auf der Insel ist die "Pousada Do Capitao", die Kapitänsherberge, eine nette Pension, bei der alles an ein Schiff erinnert. Die Zimmer sehen aus wie Kajüten, vor jedem Zimmer läd eine Hängematte zum Ausspannen ein, die Fenster sind Bullaugen und ein Wasserhahn wurde aus der Pinne eines Segelbootes gebaut. Mit ein bisschen Charme bekommen wir Luxuszimmer zum Preis der einfachen Unterkunft und wir beschließen das so gesparte Geld in ein gutes Abendessen in einem Restaurant am Strand zu investieren.
Meine vollmundige Ansage Hans-Jörg zumindest bei zwei, der von ihm angepeilten vier Caipirinhas Gesellschaft leisten zu wollen, beschert mir bereits nach einem halben Glas eine schwere Zunge und Koordinationsschwierigkeiten beim anschließenden Verzehr des Riesensteaks.
Allein der Wille zählt!

Kommentare:

Bubba hat gesagt…

Haha - I am the first to comment!
I am sorry life is so difficult for you - I much prefer sitting here in my little office dealing with important insurance issues that have a big impact on peoples lives! Instead of farting around the world & looking at big fish!
Many greetings from Garland, keep trucking so I can continue to live vicariously through you - thanks.

Wolfram hat gesagt…

Man, that really makes me laugh big time.
I'm glad at least one person is sorry for my hard and boring life :)