Mittwoch, 3. Dezember 2008

Arabische Impressionen

Colourful Live
Die Sonne geht gerade hinter den wenigen Wolken unter und malt als Abschiedgruß einen Strahlenkranz an den Himmel. Das geschäftige Treiben in der Altstadt Dubais jedoch läßt sich davon nicht beeindrucken. Zeitgleich beginnen die Muezzine von den Minaretten der zahlreichen Moscheen in den ausklingenden Tag zum Gebet zu rufen. Vielfaches "Allah-u-akbahr" - Gott ist groß - eine Kakophonie der Spiritualität.

Hier, im alten Stadtkern, ist Dubai noch ursprünglich, so wie es vor dem sagenhaften Reichtum, der allerorten demonstriert wird, gewesen sein muss. Araber freilig findet man hier kaum noch. Längst haben die Einwanderer aus aller Herren Länder die Altstadt für sich entdeckt: Inder, Pakistani, Bangladeshi, Filipinos, sie alle bestimmen das Straßenbild zwischen dem Gold Souk, dem Spice Souk und den zahllosen Geschäften für Textilien, Elektronik und Haushaltsbedarf. In winzigen, hell erleuchteten Schneidereien, nicht einmal von der Größe meines Wohnzimmers, kann ich sehen, wie Männer, Nähmaschine an Nähmaschine, so eng zusammengestellt, dass ein Erwachsener kaum hindurchgehen kann, Kleider im Akkord herstellen.
Am Dhow Harbour, dem alten Hafen der Stadt, werden immer noch Daus entladen um die nahen Märkte mit Waren zu versorgen. Zwischen den ein- und auslaufenden Booten fahren Wasserbusse, kleine Boote ohne Reling, mit einer Holzbannk in der Mitte, im Minutentakt und verbinden die beiden Uferseiten.
Water busses
Aber das ist nur die eine Seite der Stadt an der Spitze der arabischen Halbinsel. Die andere ist deutlich auffälliger, denn sie zeigt die Potenz und den Reichtum, der aus dem einstigen Fischerdorf eine Millionenmetropole und ein Finanz- und Handelszentrum gemacht hat.
Hier findet man, im Meer vor der Stadt in windeseile erbaut, die größten künstlichen Inseln der Welt, zwei in Form einer Palme, und eine ganze Inselgruppe, die von oben betrachtet die Weltkarte darstellt und deswegen in aller Bescheidenheit "World" genannt wird. Hier steht das einzige 7 Sterne Luxushotel der Welt, das Burj al Arab, in der die Nacht in einer der Luxussuiten schon einmal einen 6-stelligen Dollarbetrag kosten kann und nicht zuletzt entsteht hier gerade das höchste Gebäude der Welt. Das Burj Dubai, noch im Bau befindlich, hat bereits jetzt alle seine Konkurrenten der anderen Erdteile weit hinter sich gelassen, was seine Höhe betrifft. Wie hoch es tatsächlich einmal werden wird, wissen nur Wenige: der Architekt, der Bauherr und das Team der Statiker.
Vorbei die Zeiten in der ausschließlich amerikanische Städte um den Titel des höchsten Gebäudes stritten. Zunächst übernahmen die Petronas Towers in Kuala Lumpur, um nur, wenig später, vom 101 Tower in Taipei abgelöst zu werden und, gerade als China seine Pläne für seinen "Turm von Babel" vorlegte, reißt eine Baustelle in der Wüste den Titel an sich. Machtspielchen der Superreichen!

Statussymbole findet man natürlich vor allem auch auf der Straße, denn Kleinwagen sucht man hier vergebens. Bevorzugtes Fortbewegungsmittel sind Geländewagen und SUV's deutscher Nobelmarken, die hier, sobald man die Stadt verlassen hat, sogar auch Sinn machen. Der Benzinpreis ist so niedrig und das Geld sitzt so locker, dass man sich nicht einmal die Mühe macht ihn an den Tankstellen anzuschreiben.
So ist denn auch eines der Hauptvergnügen der Dubaier das Einkaufen. Wer echte Araber sehen möchte, der muss in die zahlreichen Shopping Tempel gehen, in denen alles zu haben ist, was einen guten Namen hat, zu Preisen, die noch etwa 10% bis 20% über denen in Europa liegen.

Ein Verkäufer in einer Boutique, wie fast alle Dienstleister hierzulande Filipino, erzählt mir dass in diesem Jahr ultrakurze Miniröcke der Verkaufsschlager seinen. Verwundert frage ich ihn, wie das in einem muslimischen Land möglich ist.
"Natürlich sieht man die Damen nie diese Mode tragen", klärt er mich auf, "die wird immer unter den Schwarzen Mänteln versteckt und erst in den eigenen vier Wänden oder bei sogenannten Ladyparties demonstriert."

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Ist scheinbar überall das Gleiche: Die Machthaber geben den Ton an und die Regeln fürs gemeine Volk vor - um sich dann selbst sofort darüber hinwegzusetzen. Sogar die Talibanführer, die während ihrer Herrschaft vor den WTC-Anschlägen in Afghanistan jegliche Form der Musik verboten, fuhren selbst zu strategischen und taktischen Lagebesprechungen in Prunkkarossen westlicher Provenienz vor und hatten diese mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten, wie z.B. Hochprozentigem und hunderten von Musik-CDs, ausgestattet.

Deine Schilderung der Ursprünglichkeit liest sich mal wieder sehr anschaulich und kurzweilig und gern würde ich mich der Illusion hingeben, dass es immer wieder Winkel und Nischen gibt, an denen die Welt noch nicht dem allumfassenden Konsumwahn verfallen ist. Aber das wirst Du sicher besser zu beurteilen wissen, hast Du ja viele dieser Plätze auf dieser Welt schon aus nächster Nähe und wachen Blicks gesehen.

Wolfram hat gesagt…

Ha, Wern, mein treuer, und wahrscheinlich auch einziger Leser!
Es mag schon noch Orte der kompletten Konsumabstinenz geben, wie zum Beispiel die Ureinwohner Namibias, die Tuaregs oder die Buschmänner Papua Neuguineas, aber offen gesagt ist mir das Leben dort zu steinzeitlich und ursprünglich. Beim Konsum ist, wie bei allem, halt einfach Augenmass gefordert.
Zu den Taliban fällt mir nur der alte Spruch "die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche" ein.

renovatio hat gesagt…

Na, ganz ohne Konsum "kann" ich ja offenbar auch nicht bzw. möchte ich nicht.
Außerdem wird mir allmählich bewußt, dass mir diese technischen Spielereien trotz allem Ärger doch irgendwie Spaß machen und mir ganz ohne die heutigen Kommunikationsmittel wohl was fehlen würde. Zumindest im Moment.
Also: Insel mit Internetanschluß ist gefragt - was mich wieder nach Bowen Island und Kanada zurückbringt...

Wolfram hat gesagt…

... wenn da nicht der ewige Regen wäre. Wenn schon weg, dann doch lieber dahin, wo man keine Heizung braucht.

renovatio hat gesagt…

Ja, absolut! Soviel ist immerhin klar geworden: Wenn schon weg - dann in die ewige Sonne! Nix anderes. (und ohne Heizung, genau)