Freitag, 24. Oktober 2008

Uniquely Singapore

Singaporean Market
Asiatische Länder werben gerne mit Slogans um Besucher. Kurz, prägnant und einprägsam sollten sie sein und natürlich müssen sie Lust darauf machen das Land als Tourist zu bereisen. "Thailand - Land of Smiles" wirbt das Königreich Siam vollkommen zurecht mit der Freundlichkeit seiner Bewohner, "Malaysia - Truly Aisia" reimt sein südlicher Nachbar und will darauf aufmerksam machen, dass man sich hier noch nicht an den "western way of life" angepasst und sich dafür sogar eine Hymne hat komponieren lassen. Auch Indien hat mit seinem "Incredible !ndia" eine umfassende Beschreibung des Landes auf nur zwei Worte und ein Satzzeichen reduziert.
Und Singapur? Der winzige Inselstaat an der Südspitze Malaysias behauptet einzigartig zu sein. "Uniquely Singapore" steht auf den Broschüren, die bereits am Flughafen für die Touristen kostenfrei ausliegen. Ob man in Singapur einkaufen will, einen Stadtspaziergang vorhat, die abwechslungsreiche Geschichte erleben oder die asiatische Küche in ihrer Vielfalt genießen möchte, für jedes Vorhaben liegt eine ausführliche, auf Glanzpapier gedruckte und mit vielen Bildern versehene, Broschüre bereit.
Obwohl dies nicht mein erster Aufenthalt in dem Stadtstaat ist nehme ich mir einige Führer mit. Gut vier Tage habe ich Zeit in das pulsierende Leben einzutauchen, mir von der tropischen Schwüle und von scharf gewürzten Speisen den Schweiß aus den Poren treiben zu lassen, Freunde zu treffen, die ich bei vorherigen Aufenthalten kennengelernt habe und bei einer Massage zu entspannen.

"Uniquely Singapore", schon bei der Fahrt durch die gerade erwachende Stadt denke ich darüber nach, was Singapur so einzigartig macht. Wir fahren am East Coast Beach vorbei, als gerade die Sonne aufgeht und kommen an der neuesen Atraktion, dem weltgrößten Riesenrad, vorbei, kreuzen den Singapore River am Esplanade Theater, einer Konzerthalle, deren Architektur an die in Asien so geschätzte Durian Frucht erinnern soll und fahren schießlich die berühmte und noch verschlafen wirkende Orchard Road herauf, an deren Ende sich unser Hotel befindet.
Sanft gleitet unser Bus voran, denn die Straßen sind in einem Zustand, der vermuten ließe, sie seien alle erst in den letzen Jahren gebaut worden. Man könnte problemlos ein Nickerchen auf der Fahrt machen, aber dazu habe ich, selbst nach dem 12 stündigen Flug, keine Lust. Statt dessen schaue ich lieber aus dem Fenster und freue mich auf die Tage, die vor mir liegen.

Die Einzigartigkeit der tropischen Insel, die genau auf dem Äquator liegt, liegt nicht in der Sauberkeit, dem guten Zustand aller Gebäude, der perfekten Infrastruktur oder den vielen, zum Teil absurd scheinenden Verboten (zum Beispiel ist die Einfuhr von Kaugummi strengstens untersagt) und den damit verbundenen Stafen (umgerechnet € 50,- kostet es eine öffentliche Toilette zu benutzen ohne zu spühlen). Einzigartig wird Singapur durch den Mix der Ethnien seiner Bevölkerung. Was in jedem anderen Land zu Spannungen und letzlich zu Separationsbestrebungen führen würde, ist hier überhaupt kein Thema. Chinesen, Malayien und Inder teilen sich das kleine Eiland und leben in Eintracht und Frieden seit Jahrzehnten mit- und nicht etwa nur nebeneinander. Schilder im öffentlichen Raum sind viersprachig in der Amtssprache Englisch, Mandarin, Bahasa Malay und Tamil geschrieben. Nie habe ich gehört, dass man sich über religiöse Bräuche oder Traditionen der Mitbürger anderer Abstammung lustig gemacht hätte.
Einträchige stehen Tempel neben Moscheen, feiern Inder ihr Deepavali Fest, Muslime mit ihrem Id das Ende des Fastenmonats Ramadan und verbrennen Chinesen auf der Straße Geistergeld für ihre Ahnen, ohne dass auch nur irgendjemand Anstoß daran nehmen würde.
Hier sollte man alle George W.s, alle Osamas, Musharafs und Olmerts, kurz alle Hardliner dieser Welt, zur Schule schicken und sie lehren, dass es nicht nur möglich, sondern eine absolute Bereicherung ist, zu integrieren statt auszugrenzen. Alle Volksgruppen bringen ihre Stärken ein und ergänzen einander: die Chinesen ihren Sinn für gute Geschäfte, die Malayen ihre Kunstfertigkeit und Inder ihren Sinn für Spiritualität und alle zusammen das Beste, was die Küchen der jeweiligen Länder zu bieten haben und schaffen damit ein Paradies für die Liebhaber asiatischer Esskultur.

Wer in Singapur gut essen möchte, kann dies überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit tun. Bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt sind die sogenannten Hawkermärkte. Eine Ansammlung von Garküchen, meist unter freiem Himmel, in denen man sich unglaublich günstig, schnell und lecker alle Spezialitäten der asiatischen Küche zubereiten lassen kann - ein wahres Schlaraffenland.
Kaum mehr als 5 Singapurdollar, etwa 2,50 € kostet ein Essen in diesen Märkten, stets frisch zubereitet und, schon allein wegen der großen Konkurrenz, von überragender Qualität.
Lao Pa Sat heißt mein Favorit unter den zahlreichen Essensmärkten, eine schmiedeeiserne Konstruktion mit sternförmigem Grundriss, die früher als Markthalle diente und in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zum Hawkercenter umgebaut wurde um die Angestellten aus dem dort mittlerweile entstandenen Geschäftsvieltel mit Essen zu versorgen.
Große Ventilatoren arbeiten unter der Decke und schaffen nicht nur ein angenehmes Klima sondern vermischen auch die Gerüche der dort zubereiteten Speisen zu einer Fusion der Kulturen, wie man sie nur hier findet. Uniquely Singapore!

Kommentare:

renovatio hat gesagt…

Einzigartig ist auch Deine überaus lesenswerte, von großer Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen und mittlerweile einem gerüttelt Maß an Reise- und Lebenserfahrung geprägte Schilderung! Ich kann den Hawkermarkt förmlich riechen, hören, schmecken, so lebendig und anschaulich hast Du ihn beschrieben!
Wenn Du mal kein Premium-Blogger bist, nach dem sich jeder Reiseprofi alle zehn Finger auf einmal abschlecken müsste, dann gibt es den Premium-Blogger nicht! ;)
Danke für die Idee zum gemeinsamen Ausflug heute - ein schon lange ersehnter, perfekter Tag in perfekter Gesellschaft und besten Wetterbedingungen!

Wolfram hat gesagt…

It was all my pleasure, pal:)

Makta Gupta hat gesagt…

Ich war eine Woche vor Dir da, habe schon geschaut, ob wir irgendwann Mal 2008 zusammen on duty irgendwo hingeflogen sind. Du schreibst sehr spannend und interessant, mit viel Liebe zum Detail. Und ich finde, dass Du die Möglichkeiten die dieser tolle Beruf bietet, perfekt ausnutzt. Ich bin letztes Jahr 6 Monate als FAZ geflogen und freue mich unglaublich auf meine zwei Monate dieses Jahr, dank deinen Berichten umso mehr. Vielen Dank.

Wolfram hat gesagt…

Hallo Makta! Nett, dass Du mir einen Kommentar geschrieben hast. Fliegst Du von FRA oder MUC? Ich bin P1 und als solcher hauptsächlich auf der Kurzstrecke unterwegs. Wäre lustig, wenn wir mal zusammen fliegen könnten.
Dein Name hört sich indisch an, liege ich da richtig?

Makta Gupta hat gesagt…

Hallo Wolfram
Ich fliege von FRA und bin dieses Jahr bei NG. Ich kann mich also auf Afrika freuen.
Der Name klingt zwar auch in meinen Ohren indisch, ich bin aber aus D, der Name ist mir nur bei der Anmeldung grad in den Sinn gekommen, zwecks Anonymitätswahrung :-)
Viele Grüße, vielleicht fliegen wir ja mal zusammen, würde mich freuen.