Nanta ist koreanisch und heißt kochen und genauso heißt auch die Show, die ich gestern Abend zusammen mit 5 Kollegen in Seoul besucht habe. International erfolgreich, in 132 Ländern aufgeführt, ist diese Show diejenige, die sich am längsten von allen Shows, die in der zahlreichen Theatern der Stadt zu sehen sind, behauptet hat.
Tatsächlich wollte Cornelia, unsere Senior Purserette, sich die Show einmal bei einem Gastspiel in München ansehen und konnte, trotz der horrenden Eintrittspreise, keine Karte für eine der wenigen Vorstellungen ergattern. Was lag also näher, als sie sich hier in Seoul anzusehen, wo sie in einem eigens gebauten Theater aufgeführt wird.
Schon vor dem Eingang wird man von einer Skulptur einer überdimensionalen tanzenden Figur begrüßt, die, wie man sehen kann, wenn man sich ihr nähert, vollkommen aus Küchenutensilien, Messern, Töpfen, Suppenkellen, usw., gefertigt wurde.
Die Handlung ist schnell erzählt: Die Szenerie stellt eine Großküche dar, in der 3 Köche in nur wenigen Stunden ein Hochzeitsbankett vorbereiten sollen. Ausgerechnet an diesem Tag wird ihnen der nichtsnutzige Neffe des Restaurantmanagers zum Einweisen an die Seite gestellt...
Die Aufführung ist eine gelunge Mischung aus Tanz, Percussion auf allen möglichen Küchengeräten, Artistik und Comedy unter Einbeziehung des Publikums.
Ein solches Feuerwerk an gut dargebotenen artistischen Einlagen, es fliegen teilweise so viele Teller über die Bühne, dass man ihnen gar nicht mehr folgen kann, mitreißendenen Rhythmen, die mit Messern auf Hackbrettern, auf Töpfen, Eimern, Plastikkontainern und dergleichen, geschlagen werden und wirklich unglaublich lustiger Comedy hätte ich nicht erwartet.
Noch auf dem Nachhauseweg und selbst beim Frühstück am nächsten Morgen, musste ich mehrmals laut loslachen, weil mir nochmal der ein oder andere Gag einfiel.
Sonntag, 30. September 2007
Samstag, 8. September 2007
Heute hier, morgen dort
Mein Leben ist manchmal schon eigenartig. Kaum ist man irgendwo angekommen muss man auch schon wieder weg, ein nicht enden wollendes Kofferpacken, Ein- und Auschecken, ein permanentes Abschiednehmen. Da braucht man bisweilen eine gesunde Psyche und eine gute Organisation der knappen Freizeit.

Durch regelmäßige Bereitschaftsdienste, bei denen man innerhalb einer Stunde nach Anruf am Flugzeug sein muss kommt noch mehr Planungsunsicherheit dazu, so dass man am Ende eines solchen Blocks gar nicht mehr weiß, welcher Wochentag eigentlich ist.
So bin ich heute um 7:00 Uhr aufgestanden, habe meinen Koffer gepackt und bin zum Flughafen gefahren um meinen Flug nach Sao Paulo anzutreten. An der Einfahrt zur Tiefgarage verweigert mir der automatische Ausweisleser den Zugang, so dass ich mittels einer Gegensprechanlage mit dem Werkschutz Kontakt aufnehmen muß. Eine Männerstimme mit stark sächsischem Aktzent fragt mich nach meinem Einsatz und klärt meine Angaben mit unserem Besatzungseinsatzs ab.
Nach längerer Wartezeit, hinter mir hat sich bereits eine Schlange von Kollegen gebildet, die ebenfalls in die Garage fahren möchten, kommt die Auskunft, dass mein Einsatz erst morgen stattfindet (hmm, heute ist also gar nicht Sonntag?).
Freundlicherweise öffnet mir die Stimme die Schranke, so dass ich in der dahinter befindlichen Einfahrt wenden und wieder ausfahren kann, ohne dass die gesammte Fahrzeugschlange zurückstoßen muss um mich zu befreien.
Halb verärgert über das sinnlose frühe Aufstehen, halb froh unerwartet noch einen weiteren Tag zur Regeneration bekommen zu haben, trete ich meinen Heimweg wieder an.
Durch regelmäßige Bereitschaftsdienste, bei denen man innerhalb einer Stunde nach Anruf am Flugzeug sein muss kommt noch mehr Planungsunsicherheit dazu, so dass man am Ende eines solchen Blocks gar nicht mehr weiß, welcher Wochentag eigentlich ist.
So bin ich heute um 7:00 Uhr aufgestanden, habe meinen Koffer gepackt und bin zum Flughafen gefahren um meinen Flug nach Sao Paulo anzutreten. An der Einfahrt zur Tiefgarage verweigert mir der automatische Ausweisleser den Zugang, so dass ich mittels einer Gegensprechanlage mit dem Werkschutz Kontakt aufnehmen muß. Eine Männerstimme mit stark sächsischem Aktzent fragt mich nach meinem Einsatz und klärt meine Angaben mit unserem Besatzungseinsatzs ab.
Nach längerer Wartezeit, hinter mir hat sich bereits eine Schlange von Kollegen gebildet, die ebenfalls in die Garage fahren möchten, kommt die Auskunft, dass mein Einsatz erst morgen stattfindet (hmm, heute ist also gar nicht Sonntag?).
Freundlicherweise öffnet mir die Stimme die Schranke, so dass ich in der dahinter befindlichen Einfahrt wenden und wieder ausfahren kann, ohne dass die gesammte Fahrzeugschlange zurückstoßen muss um mich zu befreien.
Halb verärgert über das sinnlose frühe Aufstehen, halb froh unerwartet noch einen weiteren Tag zur Regeneration bekommen zu haben, trete ich meinen Heimweg wieder an.
Dienstag, 21. August 2007
5 Tage Europa
16. August 2007: Taiwanesen in der "Alten Welt"
Es ist gerade einmal 4 Uhr 50 als ich meine Crew im Briefingraum des Flight Operation Centers treffe. Ich schaue in müde Gesichter, wirklich ausgeschlafen ist um diese Uhrzeit niemand. Meine Aufgabe ist es jetzt gute Stimmung zu verbreiten und mein Briefing so interessant zu gestallten, dass ich meine Crew auch so früh am Morgen auf den heutigen und die kommenden 5 Tage einstimmen und motivieren kann.
5 Tage werden wir zusammen verbringen und mit "unserem" Airbus 320 Europa bereisen, vom westlichsten Punk des Kontinents in Lissabon zum östlichsten in Istanbul und von Stockholm im Norden bis Rom im Süden wird uns unsere Reise führen.
Bereits um 13:30 Ortszeit ist unser Arbeitstag zu Ende, eine Stunde später checken wir im Sofitel auf der Avenida da Liberdade ein und der Rest des Tages gehört nur noch uns.
Lissabon ist mein Favorit unter den europäischen Hauptstädten und sicherlich eine der schönsten Städte der Welt. Zu gerne wandere ich durch die engen Gassen der Alfama, der Altstadt, von denen manche so schmal sind, dass sie nicht mit Autos befahren werden können, und immer noch finde ich Neues: Hier einen Ausblick den ich noch nicht kenne, dort ein kleines Café, mit nur 2 oder 3 Tischen, die zum Verweilen einladen, wieder woanders eine Kunstgallerie an der ich bislang achtlos vorbeigegangen sein muss.

Auf meiner Wanderung durch die verwinkelten Gassen treffe ich eine Gruppe Taiwanesen wieder, die wir gerade noch an Bord betreut hatten. Trotzdem ich jetzt keine Uniform mehr trage und eine Sonnenbrille meine Augen vor der tiefstehenden Sonne schützt, erkennen sie mich sofort und winken mir zu. An Bord hatte ich ihnen auf den Kopf zusagen können, dass sie aus Taiwan kommen (jahrelange Übung im Nationalitätenraten!) und das hat sie wohl stark beeindruckt. Als ich dann noch nebenher fallen ließ, dass ich einmal dort während einer Urlaubsreise durch die berühmte Tarokko Schlucht gewandert bin, ernte ich sogar Aplaus. Dass ich nur einen kleinen Teil der Schlucht abgewandert bin und nicht die volle Länge von etwa 60 Kilometern, verschweige ich daraufhin.
17. August 2007: "Leute machen Kleider" oder Mailand ist wegen Ferien geschlossen
Am nächsten Tag reisst mich der Weckruf aus meinen Träumen. Schnell duschen, den Koffer packen und meine Uniform anziehen, denn pünktlich in einer Stunde holt uns der Bus, der uns zum Flughafen fährt, am Hotel ab.
Den heutigen Nachmittag werden wir in Mailand verbringen, der norditaliänischen Wirtschaftsmetropole und heimlichen Hauptstadt Italiens.
Ist in der benachbarten Schwesterstadt Turin die Schwerindustrie des Landes beheimatet, so dreht sich in Mailand alles um Mode und Kunst. Entsprechend schick präsentiert sich die Innenstadt um den Dom und die weltberühmte Mailänder Scala. Einheimische und ausländische Nobelmarken reihen sich entlang der Einkaufsstraßen wie Perlen an einer Kette. Mit der Häufigkeit mit der man in einer deutschen Fußgängerzone an Läden der Bekleidungskette H&M begegnet, läuft man hier an "Dolce & Gabana", "Prada" oder "Diesel" vorbei.
Nachdem ich mich im Hotel schnell geduscht und umgezogen habe gehe ich zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. Die Straßen sind wie ausgestorben, alle Geschäfte, Cafés und Bars sind geschlossen und es sind kaum Autos unterwegs. Ich denke schon heute ist mal wieder Generastreik oder ein nationaler Feiertag, aber erst als ich die bunten Schilder an den Jalousien der Geschäfte lese verstehe ich: Es ist August und damit Ferienzeit in Italien. Auf den Schildern wünscht man seinen Kunden schöne "Vacazione" und illustriert diese Aussage mit einer lachenden Sonne, die eine Sonnenbrille trägt, oder mit einem Liegestuhl an einem Strand, auf dem ein dickes Männlein schwitzt.
Selbst in der sonst so hektischen Innenstadt herrscht ein eher beschauliches Treiben und selbst hier sind einige der Läden für die nächsten Wochen geschlossen. Sieht man sonst überall wunderschöne Frauen, die auf den Laufstegen der Stadt ihr Geld verdienen, so ist auch die Modeldichte an diesen Augusttagen eher spärlich.

Ich schlendere durch die berühmt Einkaufspassage "Galleria Vittorio Emanuele" und finde eine kleine Buchhandlung, die mein Interesse weckt. Erst als ich eintrete, erkenne ich, dass es sich dabei um eine auf Kunstbücher speziallisiertes Geschäft handelt, das auch gleichzeitig als Gallerie dient.
Ich bestaune einige der Bilder und finde bald das ein oder andere, dass ich gerne erwerben würde, da die Preise jedoch nicht an den Kunstwerken selbst angebracht sind, sondern an deren Stelle ein Code, mit dem man den Preis beim Verkaufspersonal erfragen muss, beschränke ich mich auf das Betrachten der Bilder und erhalte mir die Illusion irgendwann einmal Besitzer eines dieser Kunstwerke zu sein.
18:August 2007: Straßenkreuzer in Uppsala
Der nördlichste Punkt unseres Umlaufes befindet sich in Stockholm und dort werden wir heute die Nacht verbringen. Der Himmel zeigt sich fast wolkenlos, trotzdem beschließe ich ersteinmal ein paar Stunden zu schlafen um mein Schlafdefizit der letzten Tage auszugleichen.
Um 16 Uhr mache ich mich dann auf den Weg ins nahegelegene Zentrum der Stadt Uppsala, wo wir bei Stockholm-Layovern untergebracht sind.
Eine mittelalterliche Stadt, die als eine der schönsten des Landes gilt und außerdem eine der größten Universitäten Schwedens beheimatet. Entsprechend jung sind die Bewohner und entsprechend lebhaft das kulturelle Leben. Ich setze mich hier gerne an das Ufer eines kleinen Flusses, der durch die Stadt fließt und beobachte die Leute oder lese in meinem Buch. Eine Stelle, die mir besonders gefällt ist eine kleine Holzplattform, die man in den Fluß hineingebaut hat und von der man einen schönen Blick auf den Fluß und die Stadt hat.
Als ich hier sitze fallen mir die vielen amerikanischen Straßenkreuzer auf, die auf der Straße links und rechts vom Fluß auf und ab fahren. Alle sind liebevoll restauriert und deren Besitzer nebst der ganzen Familie, die sie begleitet, im Stil des Baujahrs ihres Wagens gekleidet.
Ich erinnere mich an einen Artikel, den ich vor Jahren im "Geo" über den Sommer in Schweden gelesen habe. Ich erinnere mich dort gelesen zu haben, dass der größte Traum schwedischer Männer ist, einen dieser Haifischflossen-Autos zu kaufen, zu restaurieren um dann an sonnigen Wochenenden damit zu cruisen und sich bewundern zu lassen. Schade, dass ich meine Kamera im Hotel zurückgelassen habe!
19. August 2007: Zwischen den Welten
Der Höhepunkt unserer Reise liegt, wie sich das für Höhepunkte gehört, am Ende unseres Umlaufes. Die letzte Nacht werden wir in einer der aufregendsten und größten Städte dieses Planeten verbringen, in der, wie sonst nirgendwo auf der Welt, Kulturen und Weltanschauungen aufeinanderprallen.
Die Rede ist von der Stadt, die zur Hälfte in Europa und zur anderen Hälfte in Asien liegt, die Rede ist von Istanbul.
Serenay, eine der Kolleginnen, die mich auf diesem Umlauf begleiten, ist Deutschtürkin und freute sich schon seit Tagen auf diese Stadt, denn hier ist sie als Kind aufgewachsen und hier lebt ihre Familie.
Immer wieder telefoniert sie vom Handy aus mit ihrem Vater um ihr Layover zu organisieren und sicherzustellen, dass sie möglichst viele Familienmitglieder treffen kann.
Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel schaut sie aus dem Busfenster und immer wieder entfährt ihr ein "Wahnsinn", "Unglaublich" oder "Ich kann's kaum glauben". Serenay fliegt erst seit wenigen Monaten bei Lufthansa, hat jedoch vorher jahrelange Erfahrung bei Charter- und Regionallinien gemacht. Während einer Pause erzählt sie mir ihre Geschichte: Als Kind ist sie von Istanbul nach Deutschland gezogen, gewöhnte sich schnell ein und führte das Leben eines normalen Teenagers. Als sie Mitte 20 war und bereits für die Fluglinie Condor flog verstarb völlig unerwartet ihre Mutter an einem Herzinfarkt. Da ihre Schwester bereits eine eingene Familie hatte und der Vater längst in der Türkei lebte, war es an ihr mit ihren Teenagergeschwister zusammenzuziehen um diese aufzuziehen. Sie erzählte von der Schwierigkeit, die Fliegerei und Erziehung von zwei Teenagern miteinander zu vereinbaren, ihren Geschwistern Werte zu vermitteln und sie vor Drogen und anderen Gefahren, die auf Jugendliche lauern, zu bewaren...
Bevor wir uns für diesen Tag verabschieden, drückt sie mir noch einen Zettel in die Hand, auf dem sie schnell noch einige Tipps für mich aufgeschrieben hat. Erst unlängst hatte ich in einer Ausgabe der "Geo Saison" einen Bericht über den Istanbuler Stadtteil Beyoglu gelesen, über die trendigen Cafés, Restaurants und Gallerien. Darauf angesprochen notierte sie die Empfehlungen, die ich jetzt in der Hand hielt.

Es ist Sonntag und deswegen ist die Stadt voll mit Erholungssuchenden, die den warmen Sommertag am Strand beim Grillen oder bei einem Bummel durch die Stadt genießen wollen. Ich lasse mich durch den Stadteil Beyoglu treiben, gehe hier und da in ein Geschäft und suche die Adressen, die Serenay mir aufgeschrieben hat. Es ist später Nachmittag als ich beschließe in eines der Cafés zu gehen, die zu hunderten die Straßen säumen. Ich suche mir eines aus, bei dem dem Besitzer eine perfekte Fusion von orientalischen Einflüßen und dem kühlen und klaren Designs des neuen Jahrtausends gelungen ist. Er bittet mich keine Fotos zu machen, ein Wunsch, den ich natürlich respektiere, schon alleine um die anderen Gäste nicht zu belästigen.
Ich esse einen Orangenkuchen, der in frischem Orangensaft schwimmt und herrlich fruchtig schmeckt und trinke dazu einen starken türkischen Kaffee.
Mich fasziniert der Spagat zwischen Orient und Okzident, der in dieser Stadt überall offensichtlich ist. Verschleierte Frauen, ganz in schwarze Gewänder gekleidet, laufen neben Türkinnen, die, der Jahreszeit und den Temperaturen angepasst, in durchsichtigen Sommerkleidern, ihre Reize zur Schau stellen. Die Generation der jungen, nach Westen orientierten, wohlhabenden Oberschicht und die tief religiöse und oft aus den ländlichen Regionen zugewanderten Bevölkerungsschichten leben nebeneinander, wie in Parallelwelten.
Es ist gerade einmal 4 Uhr 50 als ich meine Crew im Briefingraum des Flight Operation Centers treffe. Ich schaue in müde Gesichter, wirklich ausgeschlafen ist um diese Uhrzeit niemand. Meine Aufgabe ist es jetzt gute Stimmung zu verbreiten und mein Briefing so interessant zu gestallten, dass ich meine Crew auch so früh am Morgen auf den heutigen und die kommenden 5 Tage einstimmen und motivieren kann.
5 Tage werden wir zusammen verbringen und mit "unserem" Airbus 320 Europa bereisen, vom westlichsten Punk des Kontinents in Lissabon zum östlichsten in Istanbul und von Stockholm im Norden bis Rom im Süden wird uns unsere Reise führen.
Bereits um 13:30 Ortszeit ist unser Arbeitstag zu Ende, eine Stunde später checken wir im Sofitel auf der Avenida da Liberdade ein und der Rest des Tages gehört nur noch uns.
Lissabon ist mein Favorit unter den europäischen Hauptstädten und sicherlich eine der schönsten Städte der Welt. Zu gerne wandere ich durch die engen Gassen der Alfama, der Altstadt, von denen manche so schmal sind, dass sie nicht mit Autos befahren werden können, und immer noch finde ich Neues: Hier einen Ausblick den ich noch nicht kenne, dort ein kleines Café, mit nur 2 oder 3 Tischen, die zum Verweilen einladen, wieder woanders eine Kunstgallerie an der ich bislang achtlos vorbeigegangen sein muss.
Auf meiner Wanderung durch die verwinkelten Gassen treffe ich eine Gruppe Taiwanesen wieder, die wir gerade noch an Bord betreut hatten. Trotzdem ich jetzt keine Uniform mehr trage und eine Sonnenbrille meine Augen vor der tiefstehenden Sonne schützt, erkennen sie mich sofort und winken mir zu. An Bord hatte ich ihnen auf den Kopf zusagen können, dass sie aus Taiwan kommen (jahrelange Übung im Nationalitätenraten!) und das hat sie wohl stark beeindruckt. Als ich dann noch nebenher fallen ließ, dass ich einmal dort während einer Urlaubsreise durch die berühmte Tarokko Schlucht gewandert bin, ernte ich sogar Aplaus. Dass ich nur einen kleinen Teil der Schlucht abgewandert bin und nicht die volle Länge von etwa 60 Kilometern, verschweige ich daraufhin.
17. August 2007: "Leute machen Kleider" oder Mailand ist wegen Ferien geschlossen
Am nächsten Tag reisst mich der Weckruf aus meinen Träumen. Schnell duschen, den Koffer packen und meine Uniform anziehen, denn pünktlich in einer Stunde holt uns der Bus, der uns zum Flughafen fährt, am Hotel ab.
Den heutigen Nachmittag werden wir in Mailand verbringen, der norditaliänischen Wirtschaftsmetropole und heimlichen Hauptstadt Italiens.
Ist in der benachbarten Schwesterstadt Turin die Schwerindustrie des Landes beheimatet, so dreht sich in Mailand alles um Mode und Kunst. Entsprechend schick präsentiert sich die Innenstadt um den Dom und die weltberühmte Mailänder Scala. Einheimische und ausländische Nobelmarken reihen sich entlang der Einkaufsstraßen wie Perlen an einer Kette. Mit der Häufigkeit mit der man in einer deutschen Fußgängerzone an Läden der Bekleidungskette H&M begegnet, läuft man hier an "Dolce & Gabana", "Prada" oder "Diesel" vorbei.
Nachdem ich mich im Hotel schnell geduscht und umgezogen habe gehe ich zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. Die Straßen sind wie ausgestorben, alle Geschäfte, Cafés und Bars sind geschlossen und es sind kaum Autos unterwegs. Ich denke schon heute ist mal wieder Generastreik oder ein nationaler Feiertag, aber erst als ich die bunten Schilder an den Jalousien der Geschäfte lese verstehe ich: Es ist August und damit Ferienzeit in Italien. Auf den Schildern wünscht man seinen Kunden schöne "Vacazione" und illustriert diese Aussage mit einer lachenden Sonne, die eine Sonnenbrille trägt, oder mit einem Liegestuhl an einem Strand, auf dem ein dickes Männlein schwitzt.
Selbst in der sonst so hektischen Innenstadt herrscht ein eher beschauliches Treiben und selbst hier sind einige der Läden für die nächsten Wochen geschlossen. Sieht man sonst überall wunderschöne Frauen, die auf den Laufstegen der Stadt ihr Geld verdienen, so ist auch die Modeldichte an diesen Augusttagen eher spärlich.
Ich schlendere durch die berühmt Einkaufspassage "Galleria Vittorio Emanuele" und finde eine kleine Buchhandlung, die mein Interesse weckt. Erst als ich eintrete, erkenne ich, dass es sich dabei um eine auf Kunstbücher speziallisiertes Geschäft handelt, das auch gleichzeitig als Gallerie dient.
Ich bestaune einige der Bilder und finde bald das ein oder andere, dass ich gerne erwerben würde, da die Preise jedoch nicht an den Kunstwerken selbst angebracht sind, sondern an deren Stelle ein Code, mit dem man den Preis beim Verkaufspersonal erfragen muss, beschränke ich mich auf das Betrachten der Bilder und erhalte mir die Illusion irgendwann einmal Besitzer eines dieser Kunstwerke zu sein.
18:August 2007: Straßenkreuzer in Uppsala
Der nördlichste Punkt unseres Umlaufes befindet sich in Stockholm und dort werden wir heute die Nacht verbringen. Der Himmel zeigt sich fast wolkenlos, trotzdem beschließe ich ersteinmal ein paar Stunden zu schlafen um mein Schlafdefizit der letzten Tage auszugleichen.
Um 16 Uhr mache ich mich dann auf den Weg ins nahegelegene Zentrum der Stadt Uppsala, wo wir bei Stockholm-Layovern untergebracht sind.
Eine mittelalterliche Stadt, die als eine der schönsten des Landes gilt und außerdem eine der größten Universitäten Schwedens beheimatet. Entsprechend jung sind die Bewohner und entsprechend lebhaft das kulturelle Leben. Ich setze mich hier gerne an das Ufer eines kleinen Flusses, der durch die Stadt fließt und beobachte die Leute oder lese in meinem Buch. Eine Stelle, die mir besonders gefällt ist eine kleine Holzplattform, die man in den Fluß hineingebaut hat und von der man einen schönen Blick auf den Fluß und die Stadt hat.
Als ich hier sitze fallen mir die vielen amerikanischen Straßenkreuzer auf, die auf der Straße links und rechts vom Fluß auf und ab fahren. Alle sind liebevoll restauriert und deren Besitzer nebst der ganzen Familie, die sie begleitet, im Stil des Baujahrs ihres Wagens gekleidet.
Ich erinnere mich an einen Artikel, den ich vor Jahren im "Geo" über den Sommer in Schweden gelesen habe. Ich erinnere mich dort gelesen zu haben, dass der größte Traum schwedischer Männer ist, einen dieser Haifischflossen-Autos zu kaufen, zu restaurieren um dann an sonnigen Wochenenden damit zu cruisen und sich bewundern zu lassen. Schade, dass ich meine Kamera im Hotel zurückgelassen habe!
19. August 2007: Zwischen den Welten
Der Höhepunkt unserer Reise liegt, wie sich das für Höhepunkte gehört, am Ende unseres Umlaufes. Die letzte Nacht werden wir in einer der aufregendsten und größten Städte dieses Planeten verbringen, in der, wie sonst nirgendwo auf der Welt, Kulturen und Weltanschauungen aufeinanderprallen.
Die Rede ist von der Stadt, die zur Hälfte in Europa und zur anderen Hälfte in Asien liegt, die Rede ist von Istanbul.
Serenay, eine der Kolleginnen, die mich auf diesem Umlauf begleiten, ist Deutschtürkin und freute sich schon seit Tagen auf diese Stadt, denn hier ist sie als Kind aufgewachsen und hier lebt ihre Familie.
Immer wieder telefoniert sie vom Handy aus mit ihrem Vater um ihr Layover zu organisieren und sicherzustellen, dass sie möglichst viele Familienmitglieder treffen kann.
Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel schaut sie aus dem Busfenster und immer wieder entfährt ihr ein "Wahnsinn", "Unglaublich" oder "Ich kann's kaum glauben". Serenay fliegt erst seit wenigen Monaten bei Lufthansa, hat jedoch vorher jahrelange Erfahrung bei Charter- und Regionallinien gemacht. Während einer Pause erzählt sie mir ihre Geschichte: Als Kind ist sie von Istanbul nach Deutschland gezogen, gewöhnte sich schnell ein und führte das Leben eines normalen Teenagers. Als sie Mitte 20 war und bereits für die Fluglinie Condor flog verstarb völlig unerwartet ihre Mutter an einem Herzinfarkt. Da ihre Schwester bereits eine eingene Familie hatte und der Vater längst in der Türkei lebte, war es an ihr mit ihren Teenagergeschwister zusammenzuziehen um diese aufzuziehen. Sie erzählte von der Schwierigkeit, die Fliegerei und Erziehung von zwei Teenagern miteinander zu vereinbaren, ihren Geschwistern Werte zu vermitteln und sie vor Drogen und anderen Gefahren, die auf Jugendliche lauern, zu bewaren...
Bevor wir uns für diesen Tag verabschieden, drückt sie mir noch einen Zettel in die Hand, auf dem sie schnell noch einige Tipps für mich aufgeschrieben hat. Erst unlängst hatte ich in einer Ausgabe der "Geo Saison" einen Bericht über den Istanbuler Stadtteil Beyoglu gelesen, über die trendigen Cafés, Restaurants und Gallerien. Darauf angesprochen notierte sie die Empfehlungen, die ich jetzt in der Hand hielt.
Es ist Sonntag und deswegen ist die Stadt voll mit Erholungssuchenden, die den warmen Sommertag am Strand beim Grillen oder bei einem Bummel durch die Stadt genießen wollen. Ich lasse mich durch den Stadteil Beyoglu treiben, gehe hier und da in ein Geschäft und suche die Adressen, die Serenay mir aufgeschrieben hat. Es ist später Nachmittag als ich beschließe in eines der Cafés zu gehen, die zu hunderten die Straßen säumen. Ich suche mir eines aus, bei dem dem Besitzer eine perfekte Fusion von orientalischen Einflüßen und dem kühlen und klaren Designs des neuen Jahrtausends gelungen ist. Er bittet mich keine Fotos zu machen, ein Wunsch, den ich natürlich respektiere, schon alleine um die anderen Gäste nicht zu belästigen.
Ich esse einen Orangenkuchen, der in frischem Orangensaft schwimmt und herrlich fruchtig schmeckt und trinke dazu einen starken türkischen Kaffee.
Mich fasziniert der Spagat zwischen Orient und Okzident, der in dieser Stadt überall offensichtlich ist. Verschleierte Frauen, ganz in schwarze Gewänder gekleidet, laufen neben Türkinnen, die, der Jahreszeit und den Temperaturen angepasst, in durchsichtigen Sommerkleidern, ihre Reize zur Schau stellen. Die Generation der jungen, nach Westen orientierten, wohlhabenden Oberschicht und die tief religiöse und oft aus den ländlichen Regionen zugewanderten Bevölkerungsschichten leben nebeneinander, wie in Parallelwelten.
Donnerstag, 2. August 2007
Hong Kong Experience
Die Nacht ist schnell hereingebrochen, hat die schwüle Hitze des Tages jedoch kaum abzukühlen vermocht. So sitzen alle Fahrgäste der "Star Ferry" bei immer noch 30°C, mehr oder weniger schwitzend, auf den Holzbänken und warten darauf, dass der Fahrtwind die ersehnte Abkühlung bringt. Ich hatte Glück und habe einen der Plätze an der zur Wasserseite offenen und nur durch ein Geländer gesicherten Seite der Fähre ergattert und kann während der Fahrt die bunt erleuchtete Skyline von Hong Kong geniessen.
Die Star Ferry ist ein Anachronismus in dieser sonst so lebhaften und quirligen Stadt in der ständig das Alte dem Neuen weichen muss. Seit mehr als 50 Jahren verkehren die grün weiß gestrichenen Boote im Hafen und Verbinden das Festland der Stadt mit Hong Kong Island, wo sich, unmittelbar an der Fährstation "Wanchai", das Hotel befindet, in dem ich immer wohne, wenn ich in der Stadt bin.
Wie die Cable Cars in San Francisco, die Bonde in Rio oder die Straßenbahnen von Lissabon, gehört die Star Ferry einfach zu Hong Kong, nicht als touristische Attraktion, sondern als beliebtes und obendrein billiges Transportmittel der Einheimischen. Eine Fahr kostet gerade einmal 22 Cent!
Egal ob ich etwas am anderen Ufer zu erledigen habe oder auch nicht, eine Fahrt mit der Fähre gehört für mich, seit ich zu ersten Mal nach Hong Kong gekommen bin, einfach dazu. Manchmal fahre ich einfach nur spatzieren, beobachte das Treiben im Hafen oder Mitreisende und staune jedes Mal über die sich rasant verändernde Stadt. War vor ein paar Jahren, als ich zum ersten Mal hier war, noch das Gebäude der "Bank of China" das von überall gut sichtbare Wahrzeichen der Stadt, so versinkt dieses Hochhaus jetzt in einem Meer aus anderen Türmen aus Glas, Stahl und Beton, jeder von ihnen noch höher, noch ausgefallener. Kaum steht ein Gebäude ein paar Jahre wird es umgebaut oder gleich abgerissen und auf dem frei gewordenen Platz ein weiterer Wolkenkratzer errichtet.
Mir nimmt diese Stadt den Atem. Alle paar Minuten fliegen Hubschrauber am Fenster meines Hotelzimmers vorbei, der Hafen ähnelt bei einem Blick von dort oben eher einem Ameisenhaufen, so viele Boote und Schiffe befahren ihn kreuz und quer und scheinbar ohne System, überall sieht man Baukräne und neue Gebäude die in Himmel wachsen.
Ich stehe am Fenster im 30. Stock des Renaissance Harbour View Hotels und vergleiche den Ausblick mit dem von meinem Balkon zu Hause. Dort sehe ich in auf die alten Obstbäume in meinem Garten, dahinter auf Weiden mit Pferden und Kühen und am Horizont die Alpen, an klaren Tagen sogar die schneebedeckten Gipfel der österreichischen Geltscher. Ich freue mich auf zu Hause.
Montag, 30. April 2007
Chrissy
Drei Mal leuchten die Blinker des roten Kias auf als ich die funkgesteuerte Entriegelung betätige, als möchte er mir freundschaftlich zuzwinkern und mir zu verstehen geben, dass er sich auf unseren kleinen Ausflug freut. Es ist bereits 10 Uhr vorbei und der allmorgendliche Nebel ist gerade erst von der Sonne verscheucht worden, als ich aus dem Parkhaus des Marriott Hotels in Torrence fahre und auf den Highway N°1 mit Ziel Santa Monica abbiege.
In München hasse ich es mit dem Auto zu fahren und versuche mich, wenn immer möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen, aber hier in Los Angeles macht es mir Spaß. Das obligatorische Automatikgetriebe, die defensive amerikanische Fahrweise und die extrem breiten Straßen tragen dazu bei.
Nach einer Weile sehe ich am Straßenrand eine Werbetafel, auf der man junge Soldaten in dunkelblauen Uniformen und weißen Mützen sieht, die in Reih und Glied stehend ihr Gewehr präsentieren. Darunter steht "For the Honour, for the Country - Join the Marines". Bei uns hieß das vor fast 70 Jahren "Für Führer, Volk und Vaterland" und hat Millionen das Leben gekostet. Ob hier derart platte Dummheiten junge Menschen noch dazu animieren in die Armee einzutreten darf bezweifelt werden, denn die amerikanischen Streitkräfte klagen, seit dem nicht enden wollenden Irakkrieg, über akuten Nachwuchsmangel, der nur mit der Mobilisierung der Nationalgarde ausgeglichen werden konnte.
Nach einer Stunde Fahrzeit, immer in Nähe des Pazifiks, komme ich in Santa Monica an. Oft komme ich hier her, wenn ich in Los Angeles bin. Es gibt viele Straßencafés, in Amerika eher eine Seltenheit, die zum Verweilen und Leute beobachten einladen, es gibt immer etwas zu sehen. Da Samstag ist, sind viele Menschen unterwegs, auf dem Weg zum Strand, in den Vergnügungspark auf dem Santa Monica Pier oder einfach nur zum Shoppen.
In der Fußgängerzone haben sich Artisten, Breakdancer und Straßenmusiker eingefunden um vom Ansturm der Erholungssuchenden zu profitieren. Immer wieder überrascht mich die Qualität der Musiker, die abends in den Restaurants oder einfach nur auf der Straße spielen. Woanders wären sie vielleicht gefeierte Stars, hier müssen sie sich mit ihrer Kunst mühsam über Wasser halten.
Eine junge Frau fällt mir besonders auf. Sie hat sich an der Ecke einer befahrenen Straße positioniert und spielt und singt gegen den Verkehr an. Ich beobachte sie eine Weile von der gegenüberliegenden Straßenseite, schraube das Teleojektiv auf meine Kamera und mache so unbemerkt ein paar Fotos von ihr. Sie singt sehr gefühlvoll Balladen und begleitet sich mit der Gitarre. Passanten beachten sie kaum, nur ab und zu legt jemand im Vorbeigehen einen Dollar in ihren Gitarrenkoffer, fast verstohlen, als müsse man sich dafür schämen.
Als ich näher komme sehe ich, dass sie eine CD mit ihren Liedern für 5 Dollar verkauft. Da mich ihre Musik berührt und 5 Dollar gerade mal der Preis für einen Kaffee ist lege ich ihr das Geld in ihren Koffer und nehme mir eine CD vom Stapel. Sie ist ganz offensichtlich selbst gebrannt und als ich die Hülle öffne steht mit Filzstift "Chrissy" darauf geschrieben und daneben ein gemaltes Herz.
In einer Pause spreche ich Chrissy an und zeige ihr die Fotos, die ich vorher von ihr gemacht habe. Als sie mir ihre Email Adresse aufschreibt, damit ich ihr die Fotos schicken kann, sehe ich, dass die Gitarrensaiten vom jahrelangen Spielen tiefe Furchen in ihren Fingerkuppen hinterlassen haben.
Stunden später, der Nebel ist längst zurückgekommen und der Wind bläst kalte Luft vom Ozean in die Straßen, sehe ich sie, an einer anderen Stelle, immer noch spielen. Passanten hasten mit vollen Tüten an ihr vorbei, nur ab und zu legt jemand einen Dollar in ihren Gitarrenkoffer. Das Leben als Straßenmusiker ist schwer.
Samstag, 14. April 2007
Anwiggerln
Es ist eine Tradition, die ich seit ein paar Jahren mit meinem Bruder pflege. Am ersten wirklich schönen Sommertag des Jahres gehen wir gemeinsam zum Schwimmen. Nicht irgendwo hin, sondern immer an die gleiche Stelle am Ostufer des Starnberger Sees. Hier hat man alles, was einen schönen Tag am See ausmacht: Den ganzen Tag Sonne satt, ein herrliches Alpenpanorama mit Blick auf die Zugspitze, kristallklares Wasser und ein flaches, sandiges Ufer.
Nicht weit entfernt unseres Badeplatzes befindet sich ein kleiner Campingplatz, der ausschließlich von Dauergästen bewohnt wird, viele von ihnen kommen bestimmt schon seit Generationen hier her. Man kennt sich!
Einer der kleinen Wege, die die Wohnwagen miteinander verbinden, wurde etwas großspurig "Wiggerl-Niedermeyer-Allee" genannt, wahrscheinlich nach einem Camper Original, der guten Seele des Campingplatzes, dem Wiggerl halt.
Beim ersten Mal hat mich der Anblick des Straßenschildes an diesem kleinen Schotterweg sehr belustigt. Den Namen Wiggerl, wohl eine Kurzform von Ludwig, und die Tatsache aus einem Weg, auf dem selbst zwei Personen Schwierigkeiten haben aneinander vorbeizugehen, eine Allee zu machen, fand ich einfach zu komisch.
Schnell wurde aus dem ersten Baden des Jahres, dem "Anbaden", das "Anwiggerln", einem Besuch während des Sommers das "Wiggerln" und dem letzten Besuch des Jahres das "Abwiggerln". Vom An- beziehungsweise Abwiggerln wird also unser Sommer begrenzt.
Heute, am 14. April, war es nun also endlich wieder so weit: Zeit zum Anwiggerln!
Etwa um 13 Uhr furhen wir auf den kleinen Parkplatz, der von einer älteren Dame von morgens bis abends bewacht wird. Man muss sich gut stellen mit ihr, denn ich habe sie einmal im Streit mit einem Parker, wohl ein Parkgebührenpreller, erlebt und seitdem habe ich angst vor ihr. Also schon beim Einfahren ein kleiner Scherz, wenn man zum See geht ein kleiner Small Talk und beim Ausfahren am Abend nochmal kurz gewunken. Freudlich geht sich's eh besser durchs Leben.
Nach guter alter Tradition bauen wir, natürlich immer an der gleichen Stelle, in unmittelbarer Nähe des Ufers, unsere beiden Stühle auf und lassen uns nieder. Dann wird geredet, wir lesen uns gegenseitig besonders lesenswerte oder lustige Passagen aus den Büchern vor, die wir zwar jedesmal mitnehmen, obwohl wir nur selten zum Lesen kommen, mustern vorwiegend die weiblichen Badegäste, vergeben Noten, solange, bis wir es vor Hitze kaum noch aushalten und wir endlich in den See gehen müssen.
Die Regeln zum An- beziehuingsweise Abwiggerln besagen übrigens, dass der Körper mindestens bis über die Schultern im Wasser gewesen sein muss. Schwimmbewegungen sind laut Reglement ebensowenig erforderlich wie der Verbleib des Badenden für eine bestimmte Zeitspanne.
Wie jedes Jahr ist das erste Mal vor allen Dingen eins: Eine große Überwindung! Das Wasser des Sees, teilweise vom Schmelzwasser der nahen Alpen gespeist, hat kaum mehr als 13°C. Schon nach den ersten Schritten schmerzen die Füße und man muss sich sehr beeilen die flache Uferpassage zu verlassen um endlich die Schultern mit Wasser bedecken zu können. Dann nichts wie raus und wieder braten in der Sonne.
Ich freue mich offiziell verkünden zu können: Es ist angewiggerlt!
Einen schönen Sommer noch.
Donnerstag, 12. April 2007
In meiner Welt
Der Frühling ist da, fast könnte man meinen es wäre gleich Sommer geworden, so warm ist es bereits in den letzten Tagen gewesen. Für mich und mein Mountainbike heißt das, dass die Zeit der Spinningstunden im Winter nun der Freiluftsaison weicht. Dieses Jahr habe ich meinem Fahrrad eine neue Federgabel gegönnt: arretierbar, öldruckgefedert, 130 mm Federweg, superkomfortabel! So zieht es mich nun wieder Tag um Tag nach draußen auf meine Lieblingswege im Freisinger Süden.
In guter alter Tradition kehre ich immer auf dem Rückweg, kurz vor Erreichen meiner Wohnung, in Haimhausen in einer Bäckerei ein, deren Name ich nicht einmal kenne, in der es jedoch noch gutes altes Handwerk gibt und nicht nur industriell vorgefertigte und kurz aufgebackene Teiglinge.
Ich versorge mich dort nochmal mit einem Kuchenstückchen oder einer (herrlich weichen, köstlichen, vor Mohn strotzenden) Schnecke, als Belohnung für die Anstrengung und Energielieferant für die letzten Kilometer. So auch gestern. In der Bäckerei entspann sich folgender Dialog zwischen der etwa 80jährigen Seniorchefin und mir:
Ich: "Eine Mohnschnecke und ein Sojakrusterl bitte."
Bäckerin: "Warn's radeln."
Ich: "Bei dem Wetter muss man ja raus."
Bäckerin: "Ja genau, s'is scho Sommer gell? Meine Buben san a weg m'im Radl. I hab' g'sagt geht's doch raus, bei dem Wedda, i bin ja do. Die müssen eh mal an'd frische Luft, wo's doch allerweil in der Backstubn san, mit dem ganzen Staub da. Wo san's denn g'fahrn?"
Ich erkläre meine etwa 50 Kilometer lange Route
Bäckerin: "Ja wos, so weit? Da hamm's sicher Hunger jetzt?"
Ich: "Na ja, kann schon was vertragen."
Bäckerin: "Da schenk i eana no a Laugensemmel. Die san guat, müssen's amal probieren."
...
Ich verlasse die Bäckerei und verspeise meine Mohnschnecke noch vor dem Geschäft in der Sonne sitztend. Mein Sojakrusterl und meine Laugensemmel verstaue ich in der Rückentasche meiner Radjacke und sehe jetzt aus wie ein Buckliger auf dem Fahrrad, der Quasimodo der Mountainbiker sozusagen.
Am Abend verspeise ich beide Backwaren zusammen mit einem Tomatensalat. Das Laugenbrötchen war hervorragend. Vielen Dank!
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